Teil eines Werkes 
1.-3.Theil (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

219

welche Sie andeuten, würde weder mein noch Konſtan⸗ zens Glück begründen.“—„Das iſt wohl mäglich,“ erwiederte der Oberjägermeiſter faſt zornig;“„man iſt auch nicht auf die Welt gekommen, um immer glücklich zu ſein.“—„Aber ich ſehe nicht ein, warum man noth⸗ wendigerweiſe mit einer ſolchen Ueberzeugung in Pflichten eintreten ſollte, wozu die freie Wahl des Herzens Einen nicht verbindet,“ verſetzte der junge Baron verwundert! —„Nein, das glaube ich wohl,“ ſeufzte der alte Herr, „daß Du das nicht einſiehſt; aber ich thue es leider nur zu wohl. Doch, ehe ich mich weiter äußere, beantworte mir zuerſt eine Frage: Wäreſt Du im Stande, um Kon⸗ ſtanzens willen jedwedes Opfer zu bringen?“—„Jedes, um ihr Glück zu befeſtigen, das ſchwöre ich bei meiner Ehre.“—„Nun wohl,“ fuhr der Oberjägermeiſter in dumpfem Tone fort,„ſo halte, was Du bei Deiner Ehre geſchworen! Konſtanze gehört jetzt unter die gefallenen Engel. Vermähle Dich mit ihr und erhebe dadurch die Unglückliche zu dem Platz in der Welt, wezu ſie als ein Zweig des uralten Stammes der Lindorm's berech⸗ tigt iſt. Du bezahlſt dadurch eine alte Schuld. Dein Vater, Guſtav, beraubte mich einſt durch den unſinnigen Schritt, den er in ſeiner Jugend that, nicht allein der Hoffnung auf eine ſchöne und reiche Braut, ſondern vernichtete auch dadurch jede meiner Bemühungen, eine Höhe zu erreichen, zu der ich ohne dieſen Schritt gelangt wäre. Dies erfüllte damals mein Herz mit bitterem Grame; aber ich trug ihn wie ein Mann. Nie entfuhr eine Klage meinen Lippen, und nie verletzte ich Deinen Vater mit einem Vorwurf. Im Gegentheile, als er mir auf dem Todtenbette ſeinen Sohn anempfahl, den Sohn des Weibes, um deſſentwillen ich die großen Hoff⸗ nungen meines Lebens verloren hatte, nahm ich ihn wie meinen eigenen auf, räumte ihm einen Platz in meinem Herzen ein und öffnete ihm mein Haus, wie eine Hei⸗ math.— O Guſtav, mein theurer Junge, bis zu dieſer Stunde haſt Du mir Alles reichlich vergolten. Soll