jägermeiſters war ſich mehrere Tage lang faſt gleich ge⸗ weſen. Konſtanzens Sorgfalt war eben ſo unermüdlich, wie die Fragen des alten Herrn, ob der junge Baron noch nicht erſchienen ſei. Eines Abends war er eben ein⸗ geſchlummert. Das Fräulein und ich ſaßen allein im Vorzimmer. Ich hatte ſie überredet, das Krankenzimmer zu verlaſſen, und in einem andern eine geſundere Luft zu ſchöpfen, als unſer Geſpräch durch das Geräuſch von Rädern unterbrochen wurde, die durch das Thor⸗ gewölbe rollten. Gleich darauf ſprang es die Treppe herauf; und wie ich kaum ein Licht gefaßt hatte, um dem Ankommenden entgegen zu gehen, ſtand der junge Baron unter der Thüre. Aber nie kann ich den Schmerz und die Beſtürzung vergeſſen, die ſich in jedem Zuge malte, als er eintrat und ſeinen Blick auf das Fräulein heftete, und den Ausruf des Erſtaunens, als er die ſchöne, herr⸗ liche Roſe, die er von Leben und Geſundheit ſtrahlend verlaſſen hatte, ſich jetzt wie eine niedergetretene Lilie gegen ihn beugen ſah.
„Konſtanze, meine geliebte Schweſter,“ rief er,„was iſt geſchehen?“— Ich zog ihn mit aller Macht hinten am Rocke, und trat ihm auf die Ferſe, um ihm begreif⸗ lich zu machen, daß er ſolche Fragen aufſchieben ſollte. Mit der Hand des Fräuleins in der ſeinigen wandte er ſich verwundert nach mir um, als in demſelben Augen⸗ blicke ein Bote von dem Oberjägermeiſter kam, um an⸗ zuſagen, daß dieſer einen Wagen gehört habe, und im Falle es der junge Baron ſei, möchte er ſich ſogleich bei ihm einfinden. Ohne weitere Fragen warf Baron Guſtav ſchnell ſeine Reiſekleider ab, und begab ſich mit mir zu dem Zimmer des Oberjägermeiſters.
„Dem Himmel ſei Dank, daß ich Dich noch einmal ſehen darf, mein theurer Junge!“ ſprach der alte Baron und reichte ſeinem Lieblinge die Hand;„mein Herz be⸗ durfte ſehr Deiner Gegenwart. Laß uns allein, Wilſon.“ — Ich gehorchte, machte mir jedoch kein Gewiſſen daraus, draußen ſtehen zu bleiben, wo ich jedes Wort eben ſo


