Ich blieb noch ſtehen; meine Seele war erſchüttert und außer Standes, etwas Anderes zu denken, als an den unglückſeligen Eigenſinn des alten Herrn, der ſo entſetzlich das Glück und den Frieden dreier Menſchen vernichten, und ihn ſelbſt in ſeiner Todesſtunde allein laſſen ſollte, allein mit einem Gewiſſen, das ihn laut daran erinnern mußte, daß er die Stimme deſſelben zum Schweigen gebracht habe, als ſie ſich noch zur Warnung erheben konnte; alle dieſe Gedanken ſtürmten auf mich ein. Meine zitternden Kniee, die ſich noch nie vor Je⸗ mand gebeugt hatten, als vor dem höchſten Weſen, ſanken jetzt vor einem Geſchöpfe des Staubes, wie ich ſelber, nieder. Ich machte ihm Vorſtellungen, bat und beſchwor ihn bei der Hoffnung auf jenes Leben, deſſen Gränze zu betreten er jetzt nahe war. Umſonſt!— Er antwortete kein Wort, ſondern entzog mir mit ſichtlichem Unwillen die Hand, die ich gefaßt und mit meinen Thrä⸗ nen befeuchtet hatte. Endlich that er, als ob er ſchlafe; ich verließ ihn troſtloſer um ſeiner ſelbſt, als um euret⸗ willen, ihr Armen, deren friſches, ſchönes Leben er zer⸗ ſtört hat.
Nun ging ich, um das Fräulein zu beſuchen.— Großer Gott! welch' ein Anblick! Sie war ſo bleich, wie eine weiße Roſe, und ſo mager, daß ſie faſt durch⸗ ſichtig ſchien. Ich nahm ihre Hand und wieder mußten meine alten Augen die Thränen herbeiziehen, die ich längſt vertrocknet wähnte; doch dieſe Trauerquelle war uner⸗ ſchöpflich. Ich konnte kein Wort ſagen; ich konnte nur ihre Hand drücken und troſtlos mit dem Kopfe ſchütteln. „Betrüben Sie ſich nicht meinetwegen, alter Freund,“ liſpelte ſie; ich dulde mit Freuden, denn ich hoffe, daß es nicht lange dauern wird!“
O was hätte ich nicht darum gegeben, wenn ich hätte wagen dürfen, ſie zu tröſten! Aber ich wagte nicht ein halbes Wort, nicht den verſtohlenſten Wink. Das Schlimmſte ſtand noch bevor. Der Zuſtand des Ober⸗


