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Guſtav geſchrieben hatte, um ſeine Heimkehr zu beſchleu⸗ nigen, im Falle er ſchon in N*s angelangt war, ließ ich meine arme Konſtanze rufen.“
„So ſanft und tröſtend, als ich es nur vermochte, ſprach ich zu dem unglücklichen, verirrten Kinde, und als ich ſie auf das Schlimmſte vorbereitet glaubte, gab ich ihr Müllers Brief, den ich in ſeinem Zimmer heute früh offen gefunden zu haben vorgab. Ich kann, will und vermag Euch, mein alter Freund, nicht zu beſchrei⸗ ben, welch ein Bild jetzt meinen Blicken begegnete; es ſei genug geſagt, wenn ich Euch geſtehe, daß ich beinahe meine Härte bereut hätte. Doch es war jetzt zu ſpät; es konnte nicht mehr geändert werden, ohne daß ich die Achtung meines Kindes auf immer verloren hätte. Das konnte ich nicht; mein Wort habe ich überdies nie zurück⸗ genommen. Die Arme wurde in einem Zuſtande weggetra⸗ gen, den ich nicht mit anſehen konnte, und voll quälender Unruhe wies ich jede Nachricht zurück, die man mir von ihr brachte. Nach einigen Tagen wurde ſie ruhiger, ſie kam zu mir. Dort, wo Ihr jetzt ſteht, Wilſon, ſiel ſie auf die Kniee und bat mich um Verzeihung. Nie ſchloß ich ſie mit größerer Liebe an mein Herz; nie glaubte die Arme dem Genugthuung geben zu können, der— ach! das ahnte ſie nicht!— die Luſt ihres jungen Lebens zer⸗ ſtört hatte; aber Gott weiß, daß ich nach meiner Ueber⸗ zeugung um ihrer, meiner eigenen und der Chre meines alten Geſchlechts willen that, was recht iſt. Und warum ſollte ſie mit Guſtav nicht glücklich werden?— O gewiß, das gibt ſich ſchon. Doch ich fühle mich von dem vielen Sprechen ermattet, es geht mit mir zu Ende, Wilſon. Des Herrn Wille geſchehe; man muß zufrieden ſein! Doch fühle ich mit Gewißheit, daß ich nicht ſterben werde, ehe Guſtav angekommen iſt. Ach Konſtanze, mein Kind,“ mur⸗ melte er, indem er mir winkte, ihn zu verlaſſen,„nie liebte ich Dich ſo wie jetzt; und traf ich nicht den rechten Weg,„ um Dein Glück mit meiner Ueberzeugung zu vereinigen, ſo möge es mir der Herr in ſeiner Gnade verzeihen!“


