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Hermer nahm ihn und las mit tiefer Theilnahme und ſteigender Verwunderung Folgendes:
Verwalter Wilſon an Müller. Hamringen, den 10. Mai 1818.
Wie ſoll ich Ihnen, mein lieber Herr Müller, all' das Elend ſchildern, das hier Statt gehabt hat? Ganz Hamringen gleicht einem großen, ſchauerlichen Leichen⸗ zimmer, in dem wir alle wie bleiche Geſpenſter grinſend an einander vorüber ſchleichen. Ich werde jedoch ver⸗ ſuchen, Ihnen die Begebenheiten im Zuſammenhange zu erzählen. Als ich zu Ende Aprils von Gefle heim kam, — ich wollte von Herzen wünſchen, dieſe betrübende Reiſe wäre die letzte geweſen, die ich hienieden unternehmen muß— fand ich meinen alten Herrn in ſcharfem Kampf mit dem Tode auf ſeinem Bette ausgeſtreckt. Gottes Strafe, dachte ich und näherte mich ihm in der Hoffnung, ihn jetzt von Reue ergriffen, und zur Gutmachung deſſen geneigt zu finden, was ſein ſündiger Plan begonnen hatte. Doch daraus ward nichts. 3
„Wilſon, mein Alter,“ ſagte er,„Du kommſt gerade recht, um bald Deinen alten Herrn zu ſeiner letzten Fahrt zu geleiten. In jener Nacht, welcher Du Dich noch er⸗ innern wirſt, ſtrengte ich mich zu ſehr an; es war mehr, als ein Mann in meinem Alter ertragen kann; denn Du mußt wiſſen, daß ich von finſtern Gedanken erfüllt die ganze Nacht in dem kalten Thau im Hofe umher wankte, nachdem ich zuerſt einige von Müllers Kleidern ſo wie ſeinen Hut an den Fluß hinabgetragen hatte, damit man ſie am andern Morgen dort ſchwimmen finden ſollte; end⸗ lich ging ich, um einige Stunden Ruhe zu ſuchen. Ein unruhiger Schlummer ſchloß zwar meine Augen; allein als ich erwachte, fühlte ich mich in jedem Gliede wie ge⸗ lähmt und von einem ſtarken Drücken über die Bruſt beſchwert. Ich ſah ſogleich ein, was die Glocke war, und nachdem ich mit großer Anſtrengung ein Paar Worte an
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