———
fuhr auf.„Georg, mein Georg!“ ſchrie ſie heftig und ſtreckte ihre Arme aus.
„Nicht er,“ ſagte eine Stimme, die bei all' ihrer ſanften Theilnahme doch eine fremde war. Der Mantel fiel von den Schultern des Unbekannten; einen Augen⸗ blick ſtand Alida aufrecht und betrachtete mit ſtieren Blicken den ſpäten Gaſt, der gewiß die Todesbotſchaft brachte. Ihre Kraft war jedoch bald gebrochen; ſie ſank zu ſeinen Füßen nieder, außer Stands, ſich auf⸗ recht zu erhalten.„Sprich, Fremdling, ſag' ein Wort,“ bat ſie in ſchneidendem Schmerz und ſtreckte flehend die gefalteten Hände gegen ihn aus,„er lebt ja, oder habe Erbarmen und ſtoße ſchnell zu, wenn der Dolch mein Herz treſſen ſoll— er iſt nicht mehr?“
„Er iſt in ſeiner Väter Haus gegangen,“ ſprach leiſe die ſchöne und klangvolle Stimme des Unbekann⸗ ten, indem er ſich niederbeugte und Alida emporhob, die bei dem entſcheidenden Worte in Ohnmacht geſun⸗ ken war. Da lag ſie wie eine geknickte Roſe, fuͤr den Augenblick noch unfähig, all den Schmerz zu empfin⸗ den, der ſo tief in das weiche Herz eingedrungen war.
Aber wir wollen nicht von ihrer und der Alten tödtlichen Qual ſprechen; jedes weitere Wort würde ſie entheiligen. Wir überlaſſen die Armen der Zeit; ſolche Wunden bluten zu heftig, um geſtillt werden zu kön⸗ nen, mögen ſie ausbluten!
Der Fremde, in dem der Leſer den Mann wieder erkannt haben wird, den wir mit dem Fiſcher auf dem empörten Clemente verließen, war, geleitet von den En⸗ geln des Herrn, denn ſein Vorſatz war gut, im Stande geweſen, ein in Todesnoth gegebenes Verſprechen zu halten. Durch die wild rollenden Wellen wurde das kleine Fahrzeug an Roſendals Brücke geſchleudert, wo er mit ſeinem Begleiter an's Land ſtieg. Der Name Ferdinand Hermer, ſo hieß der Unbekannte, wurde von Allen mit Achtung und Wohlwollen, von den Armen mit Segnungen wiederholt. Das edelſte Herz, das je für die Leiden des Nebenmenſchen klopfte, ſchlug in


