Teil eines Werkes 
1.-3.Theil (1843)
Entstehung
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theilte. Die Tage wurden zu Jahrhunderten, ſo lang⸗ ſam wurden ſie hingeſchleppt; die lange, dunkle Nacht mit all' ihrem Jammer, ihren Kämpfen, Gebeten und Tauſenden von Thränen ſchien ihnen eine Ewigkeit.

Endlich ging die Sonne des verhängnißvollen Ta⸗ ges auf, der uͤber Leben und Tod entſcheiden ſollte. Alida ſchmückte wie gewöhnlich das kleine Vorzimmer zu dem doppelten Feſt, der Heimkehr und des Geburts⸗ tags ihres Gatten. Sanft und geduldig wie ein We⸗ ſen, das einer beſſern Heimath angehört, ordnete ſie Alles mit Umſicht und Geſchmack an, und lächelte wie ein tröſtender Engel, der da Hoffnung zuflüſtert dem zitternden Herzen, wenn die Alten bekümmert den Kopf ſchüttelten. Aber der Tag ſchritt allmälig voran und der Druck, der ſich auf ihre Bruſt gelegt hatte, ſchien die Feſſel ihres Geiſtes zerſprengen zu wollen.

„Warum ſäumt Papa?“ fragte eben die kleine Georgine. Mit zitternden Händen ſtreichelte die Mut⸗ ter die Kleine.„Stille, ſtille,“ bat ſie in ſtummem, thränenloſem Schmerz;„der Abend dämmert noch nicht.“ — Der alte Werdenberg und ſeine Gattin ſaßen ein⸗ ander gegenüber, die Hände zuſammengefaltet, ſtumm und traurig wie Mumien. Und immer länger wurden die Schatten, der Abend zögerte nicht mehr, ſchauerlich und klagend pfiff der Sturm durch das leere Gemach, die Fenſter rlirrten, ſchäumend ſchlugen die Wellen an die Brücke; man hörte nichts von Werdenberg.

„Hu, Mama, es iſt ſo garſtig heute Abend,“ ſagte die kleine Georgine, und legte ihr Köpfchen an die Kniee der Mutter. Sie ſaß auf einem Schemel am Fenſter vor Alida. Die Arme ſeufzte bloß, und Alles wurde wieder ſo ſtill, o ſo ſtill, ſo todtſtill in dem öden Zim⸗ mer. Plötzlich rief das Kind, als ſich feſte, männliche Schritte im Saale hören ließen:„Mama, armes Ma⸗ machen! Sei fröhlich; ich höre ihn kommen; ſieh— da iſt Papa!“

Die Thüre ging auf, und auf der Schwelle zeigte ſich eine hohe, in einen Mantel gehüllte Geſtalt. Alida