Teil eines Werkes 
1.-3.Theil (1843)
Entstehung
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und Abendeſſen hinwegzugähnen; und ungeachtet man im Jahre 1801 mit einer andern angenehmen Art die Zeit todt zu ſchlagen nicht unbekannt war, nämlich ſeine Nachbarn und Freunde zu verläumden, oder fei⸗ ner ausgedrückt, ſich Anekdötchen aus der chronique scandaleuse der Gegend zuzuflüſtern, ſo zog man doch Spiel und Tanz vor. Man lachte, plauderte und ſang das neue Volkslied, das damals gerade ſehr in der Mode war, und behielt dabei ein fröhliches Herz, gerade weil man das Bedürfniß eines feineren Vergnügens nicht fühlte.

Dieſer Tag war der froheſte, den Alida während ihres ganzen, bisher ſo freudenarmen Lebens gehabt hatte. Georg hatte ſie unter allen übrigen jungen Mädchen ſo auffallend ausgezeichnet, daß ſte ſich unwill⸗ kürlich davon geſchmeichelt fühlte und ihm in ihrem Herzen dafür dankte. Denn es war das erſte Mal, daß ſte erfuhr, auch ſie habe einen Werth in den Augen der Andern, das erſte Mal, daß ihr eine Huldigung darge⸗ bracht wurde; und obwohl ebenſo frei von Eigenliebe, wie etwa die beſcheidene Anemone unter den ungekün⸗ ſtelten Kindern der Natur, befand ſich doch ein kleiner unſchuldiger Grad von Eitelkeit in dem guten Herzen. Dieſe erwachte nun zum Leben und verurſachte ihr manche glühende Röthe, wenn die Baronin von Zeit zu Zeit die Bemerkung laut werden ließ, daß das gewöhnliche dunkelblaue Halstuch an gewiſſen Tagen einem hellro⸗ then Florſhawl oder einem einfachen Kragen weiche, und das ſchmuckloſe, ſchlecht friſirte Haar durch ein

ſchwarzes Band oder eine Schnur einen Zuſatz bekom⸗ men habe. Aber wenn dieß auch bewies, daß ſie keine Ausnahme von den Weibern machte, ſo bewirkten da⸗ gegen die neuen Gefühle, deren ſie anfing bewußt zu werden, eine noch erhöhtere Veredlung in ihrem Herzen und ihrer Seele. Mit einer wahren Engelsgeduld und Frömmigkeit begegnete ſie den bittern Bemerkungen und dem ununterbrochenen Hecheln ihrer Couſine. Sie hatte keine Thränen mehr dafür; denn ſie fühlte ein ſtilles