Teil eines Werkes 
1.-3.Theil (1843)
Entstehung
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Den folgenden Tag mußten nach löblichem und alt⸗ hergebrachtem Gebrauch alle Nachbarn und ihre Angele⸗ genheiten die Revue paſſiren. Natürlicherweiſe geſchah der Anfang mit Engelvik, worüber Frau von Werdenberg Man⸗ cherlei zu erzählen wußte. Was aber Georg's Aufmerk⸗ ſamkeit vorzüglich in Anſpruch nahm und ſein Herz vor Schmerz und Mitleid heftiger klopfen machte, war die Schilderung, die ihm ſeine Mutter von dem liebloſen, ja harten Benehmen der Baronin gegen ihre arme Ver⸗ wandte, das kleine, junge, liebliche Fräulein von Hrrr machte.

„Und doch iſt ſie ein ſo gutes und frommes Kind,“ fügte Frau von Werdenberg hinzu.„Ihre ſanfte Seele erlaubt ſich nie die geringſte Klage; aber daß ſie im Stillen leidet, iſt mit ein wenig Welterfahrung leicht zu entdecken, und man beiß ja auch, wie frohe und glückliche Mädchen ihres Alters ausſehen müſſen. Ja, Georg, mein lieber Junge, Du darfſt mir glauben, es iſt eine Perle, wofür man, Gott verzeih' mir's, zu wirk⸗ licher Zeit ſelten einen braven Mann findet; ſtill, ar⸗ beitſam, haͤuslich, frei von Eitelkeit und Verſtellung, und zärtlich wie eine Taube. Ein ſolches Mädchen möchte ich wohl gern meine Tochter nennen.“

„Und ich meine Frau,“ ſetzte eine Stimme in Georg's Herzen ganz laut hinzu, obwohl er bloß erröthete und ſchwieg.

Auf kommenden Sonntag waren alle zunächſt woh⸗ nenden Standesperſonen der Gegend auf Roſendal einge⸗ laden. Es war eine alte Sitte, daß immer ein kleines Feſt die Heimkehr des Sohnes feierte, wobei dann alle Seltenheiten, die er mitgebracht hatte, den Tiſch zierten und die Gäſte ergötzten. Der Baron mit ſeiner Familie war natürlich ebenfalls zugegen. Und obwohl die Ba⸗ ronin ſie nicht mit ihrer eigenen Anweſenheit beglücken

woollte, erlaubte ſie doch Aliden, Lindorm zu begleiten,

der zugleich mit Werner und Guſtav dahin ging. Un⸗

er den Gäſten waren viele junge Leute, weßhalb man

s nicht für nöthig fand, die Zeit zwiſchen dem Mittag⸗ Guſtav Lindorm. I. 2