Teil eines Werkes 
1.-3.Theil (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—2————

Bube, der total verzogen iſt, nicht eine tüchtige Zucht bekommt.“

Guſtav, der das Ebenbild ſeiner Mutter und ſchöner als alle Liebesgötter des Gartens war, hatte ſeines Vaters unruhige und hitzige Sinnesart und war ein großer Liebhaber von Schelmenſtücken. Es war ſeine Freude, die ringsumher zerſtreuten Nymphen und Drya⸗ den, die ſeiner Meinung nach ſehr überflüſſig da waren, mit Pfeilen zu beſchießen, und bisweilen ſogar ſich zum Kampfe gegen die Götter ſelbſt zu rüſten, deren uner⸗ ſchütterliche Zuverſicht ihn ſo ſehr aufbrachte, daß er ſte dafür mit Steinen und Erde bombardirte. Doch dies wollte der Baron nicht beſtrafen; und da er ſeinen Sohn außerordentlich liebte, konnte er ſeiner Frau Bemer⸗ kungen über ſeine allzugroße Nachſicht in dieſer Bezie⸗ hung nicht ertragen. Mit kurzen und beſtimmten Worten ſprach er deshalb:„Guſtav ſoll einen andern Tummel⸗ platz für ſeine Spiele ſuchen; aber was ſeine Ausge⸗ laſſenheit und Zucht betrifft, ſo ſollteſt du mir erlauben, ſelbſt dafür zu ſorgen.“

„Aus demſelben Grunde,“ eiferten Ihro Gnaden, „wirſt Du entſchuldigen, wenn ich mir die Freiheit nehme, zu glauben, daß ich ſelbſt am beſten im Stande bin, meine Handlungsweiſe gegen Alida zu beurtheilen. Wir thun deshalb, glaube ich, am beſten daran, ſo wenig als möglich uns in die Angelegenheiten des Andern zu miſchen.“

Lindorm fühlte, daß ſein Blut nahe daran war überzukochen; aber mit einer gewaltſamen Anſtrengung beheirſchte er ſich, biß die Lippen zuſammen und ging hinaus.—

Die Baronin lächelte vergnügt über den Takt, wie ſte es nannte, womit ſie ihren Mann behandelte. Aber gegen die arme Alida wurde ſie nur immer mürriſcher, je mehr der Baron, Herr Werner und ſogar der kleine Guſtav ſich tröſtend dem engelguten Weſen näherten.

Gegenüber von der Bucht lag Roſendal, das kleine rothbemalte Haus, deſſen wir ſchon oben erwähnten.