wenn Du wie jene Heldinnen Dir ſelbſt überlaſſen wäreſt, um Dir aus den Netzen dieſer Welt herauszu⸗ helfen! Ich glaube, es iſt recht gut und ſicher, daß man, wenn man ſo eine kleine unſchuldige Ranke iſt, ſich um die ſtützende Eiche herumſchlingt.“
Bei ſolchen Reden der Baronin runzelte ihr Mann mit finſtrem Blick ſeine großen Augenbranen, und ſchnellte immer heftiger mit den Fingern, ein ſicheres Zeichen, daß er böſe war. Alida nähte emſiger, und eine und die andere Thräne ſtahl ſich unter den langen ſeidenen Wimpern hervor und fiel auf ihre Arbeit nieder. Der Hofmeiſter, Herr Werner, lachte in aller Stille hinter einem Zeitungsblatt über das Gleichniß von der Ranke, die ſich um die ſtützende Eiche ſchlingen ſollte. Er konnte ſich dann unmöglich das Vergnügen verſagen,
die Eiche zu betrachten, die, lang und eckig wie ein
Zaunſtecken, und ebenſo ſchwarz und ausgedörrt, kaum Nahrungsſaft genug zu beſitzen ſchien, um ſich ſelbſt aufrecht zu erhalten, geſchweige denn die arme Ranke.
Wenn der Baron nach einem ſolchen Auftritt mit ſeiner Frau allein blieb, pflegte er ſein Mißvergnügen über ihre beißenden Bemerkungen gegen Alida zu äußern. „Mein Schatz,“ ſagte er,„Du würdeſt mich verbinden, wenn Du einen delikateren Ton gegen Fräulein von Hsr annehmen würdeſt. Dieſe unfreundlichen und verletzenden Bemerkungen quälen das arme Mädchen, und funchen ihre abhängige Lage noch ſchmerzlicher für ſie.“
„Mein Schatz,“ ſpottete Ihro Gnaden nach, mit einem Lächeln, das Alles ausdrückte, nur nicht Anmuth, „Du würdeſt mich ſehr verbinden, wenn Du Deinen Herrn Sohn ein wenig mehr in Ordnung halten würdeſt; der unartige Junge verdirbt alle meine ſchönen und ge⸗ ſchmackvollen Anlagen, meine koſtbaren Orangerien. Er ſchlug geſtern mit einem großen Stein Neptun den Arm ab, und hat den kleinen Aſtrild mit Erde und Lehm beſchmutzt und umgeworfen. Kurz meine Anlagen mit allen ihren Kunſtwerken werden bald zerſtört ſeyn, wenn der böſe
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