Lindorm ſah empor; er ſtierte einen Augenblick auf die Lippen der Entſchlafenen, um die noch ein friedliches Lächeln ſchwebte; dann legte er die Hand auf das Herz, das einſt ſo warm für ihn geſchlagen hatte; es ſtand ſtill. Ein dumpfer Schrei gellte durch das Zimmer und er fiel finnlos zu Boden.*
Da ſtieg aus unterird'ſchen Fluthen
Zwar nicht der Tod, doch deſſen jüng'rer Bruder
Der bleiche Wahnwitz, der
Den Mohnkranz in zerſtreutem Haare läuft umher!
Zweites Kapitel.
Du ſuchſt wohl eine Heimath, ſuchſt ein Haus, Daß Du ſo umfaͤhrſt ohne Ruh? Wie? lockt vielleicht ein wartend Licht Dich im geſchmuͤckten hellen Brautgemach? Atterbom. Sechs lange, trübe Jahre waren vergangen. Lin⸗ dorm's unheilbare Seele war während der zwei erſten Jahre von dem raſendſten Wahnwitze gefeſſelt geweſen; endlich fing ſie an ſich wieder aufzuhellen. Er wurde von einem Bade in das andere geſchleppt; er unterzog ſich den ſonderbarſten Kuren, die ihm von den geſchick⸗ teſten Aerzten Stockholms und Kopenhagens verordnet wurden. Der Nebel milderte ſich; aber er verſchwand nie mehr vollkommen. Er konnte ſich ganze Jahre lang wohl befinden; aber bei der geringſten Gemüthserſchütte⸗ rung wurde der ſchwarze Dämon in ihm wieder frei. Die Heftigkeit ſeines Geiſtes war keineswegs gemindert; ſie kochte in ihm wie ein Bulkan, obwohl die Oberfläche Ruhe und Kälte war. Eine tiefe Schwermuth, die ihn nie mehr verließ, lieh ſeinem ganzen Weſen etwas In⸗ tereſſantes und Anziehendes, das andere Mittel zu ge⸗ fallen erſetzte. Nach Verlauf der genannten Zeit konnte man ihn für ſo vollkommen geſund anſehen, als er
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