Teil eines Werkes 
1.-3.Theil (1843)
Entstehung
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Frau. Kurz, Lindorm überzeugte ſich, daß Niemand ungeſtraft der öffentlichen Meinung trotzt; die Welt rücht ſich immer wieder. Der Sinn des Barons wurde dadurch mürriſch und ungeduldig; die unſchuldige Ur⸗ ſache mußte jeden bittern Augenblick entgelten, den er in oder außer dem Hauſe erfuhr.

Die junge Frau, die immer einen zarten und ſchwa⸗ chen Körperbau gehabt hatte, erlag bald unter den ſcho⸗ nungsloſen Vorwürfen ihres Gatten, und ſie war ſchon halb mit dem Tode vermählt, als ſie nach einer andert⸗ halbjährigen Ehe mit einem Sohne niederkam. Blos einmal drückte ſie das zarte Weſen an ihr halb erſtarr⸗ tes Herz und bat Lindorm, der nun in tiefem, aber vergeblichem Schmerz an ihrem Bette kniete, dieſes Kind mit all der Liebe zu pflegen, die er einſt an ſie verſchwendet hatte.

„Beunruhige Dich nicht ſo, mein Geliebter,“ flüſterte ſie;„wie es jetzt geſchieht, iſt es am beſten für uns beide. Glaube mir, ich gedenke bkos der erſten ſeligen Tage unſerer Ehe, und mein Herz iſt dankbar dafür; aber es ſehnt ſich nach Ruhe, ja, ich ſehne mich, am Throne des Vaters für Dich und unſern Sohn zu beten.“ — Sie ſchwieg, und der Blick voll heiliger, unausſprech⸗ licher Liebe, den ſie auf Lindorm's vom Schmerz entſtelltes Geſicht heftete, bewies, daß ſte jetzt mehr dem Himmel als der Erde angehörte.

Da drängten ſich große Thränen, die ihm die tieſfſte Pein entpreßte, aus Lindorm's Auge.„Lebe, mein ge⸗ liebtes Weib,“ bat er in unendlicher Angſt,„und mein ganzes Leben ſoll dem Streben gewidmet ſein, das gut zu machen, was Du gelitten haſt.“ Er drückte ſeine mit kaltem Schweiß bedeckte Stirne auf ihre Hand; „lebe und ſage, daß Du mir verzeihſt, ehe mich der Gedanke, Dich durch meine erbärmliche Schwachheit gemordet zu haben, wahnſinnig macht.“— Sie antwor⸗ tete nichts und konnte nichts mehr antworten; denn ihre ſanfte, reine Seele hatte ſich ſchon in die Raͤume des Lichtes und der Seligkeit aufgeſchwungen.