Teil eines Werkes 
4. Theil (1849)
Entstehung
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„Jetzt,“ ſagte ſie bei ſich ſelbſt,„will ich ihn recht

innig, herzlich und freundlich anſehen, und wenn da etwas Gefährliches, etwas Unheimliches in ihm vorgeht, ſo wird er ſich wohl zu beherrſchen wiſſen!“ Als aber Roſa eben die Macht ihrer Augen zu prüfen gedachte, fühlte ſie ſich plötzlich von ſeinen Armen gefeſſelt, an ſeine Bruſt gedrückt— nicht brüderlich, wie er während der Zeit ihrer Verlobung bisweilen ver⸗ ſchämt und ſanft gewagt hatte, ſondern ſo, wie der Bräutigam die Braut an ſich drückt.

Es war ihr, als müßte ſie erſticken, ſie fühlte eine Todesqual im Herzen, aber ſie blieb unbeweglich, denn der Schrecken und das troſtloſe Bewußtſein, daß er ein Recht, ja ein Recht hätte, ſie ſo zu umarmen, lähmte ihre Glieder.

5 Wen dch mußte ſie verſuchen, welche Macht ſie über ihn hatte.

Sie beſtegte ihre Schwäche und blickte auf, ohne daß ihre Augen den Abſcheu verriethen, der ihr Blut in Eis verwandelte.

Aber ach, dieſer Blick ſo voller Anmuth, der nicht befahl, ſondern bat, dieſer Blick war allzu ſchön, allzu zärtlich, als daß er etwas Anderes wirken konnte, als gerade den Gegenſatz von dem, was ſie wirken wollte!

In Will's Augen glühten verzehrende Flammen, Flammen, die alle Lebensfarbe von den Wangen des jun⸗ gen Mädchens verjagten— und nun berührte ſein heißer Athem ihr Antlitz, ſeine Lippen näherten ſich den ihrigen.

Sie ſchloß die Augen, ſie hoffte wenigſtens das Be⸗ wußtſein zu verlieren.

Doch nein: gleichſam in einer magnetiſchen Be⸗ zauberung ſah ſie durch die halbgeſchloſſenen Augenlider, wie ſeine Blicke immer wilder und verwirrter wurden und gleichſam an ihrer Angſt Genuß zu haben ſchienen — ſah, wie dieſe Lippen, welche den ihrigen ſo nahe waren, bald ſich zurückzogen, bald ſich ſo nahten, daß ſte nur einen Zoll entfernt waren— ſah, wie in ſeinen Zügen bald ein verzweifelter Kampf und bald wieder

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