Teil eines Werkes 
3. Theil (1849)
Entstehung
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Gute Hildur! es iſt beſſer, Alles im Anfange klar zu haben, als ſpäterhin zu tadeln und zu meiſtern. Glücklicher Weiſe biſt Du mit meinem Charakter nicht ganz unbekannt, dieſer iſt mehr auf das Ernſte gerichtet, als auf das Fröhliche und Helle; doch bin ich überzeugt, Du wirſt, wenn Du es der Mühe werth erachteſt, auf eine Deiner ſelbſt würdige Weiſe den großen Vorzug anzuwenden, den Dir die Natur in einem frohen Ge⸗ müthe geſchenkt hat, Du wirſt, ſage ich, im Stande ſein,

ſpäterhin, da Alles beſſer wird, als jetzt, auf mich vor⸗

theilhaft einzuwirken.

Nach demjenigen zu urtheilen, was Du mir ſchon am Verlobungstage ſagteſt, bleibt mir nur geringe Hoff⸗ nung, auch wird es mir gewiß unmöglich, mich ganz und gar umzuſchaffen!

Das fordere ich keinesweges, würde es nicht ein⸗

mal wollen; was ich jedoch mit Wärme wünſche, was ich mit Innigkeit von Dir erbitte, iſt, daß Du ſelbſt den Fehler, welchen ich jetzt andeutete, ſorgfältig prüfſt, und nicht allein ihn, ſondern auch ſeinen natürlichen Begleiter. So zum Beiſpiel haſt Du eine Fähigkeit, auf eine Art zu kokettiren, welche in den Augen anderer Männer entzückend ſein mag, welche jedoch in den meinigen, am gelindeſten ausgedrückt, langweilig iſt. Deine kleine Naſeweisheit mag für Andere eben ſo entzückend ſein, ich aber bin allzu träge, als daß ich mich darauf ver⸗ ſtehen könnte. Werde gut, meine Hildur, behalte Deinen natürlichen Frohſinn ohne geſuchte Zuſätze und vor allen Dingen: glaube meinen wohlgemeinten Rathſchlägen und meiner aufrichtigen Ergebenheit, und ich bin über⸗

zeugt, daß wir uns dereinſt verſtehen und uns beſſer beurtheilen und ſchätzen werden, als heute!

Du wirſt aber doch allzu ſtreng, Karl: mit dem Tone, den Du ſchon jetzt annimmſt, kommt gewiß nie das Vertrauen!

Ich werde niemals ſtreng, Hildur; ich will von Dir nicht mehr fordern, als was ich Dir dagegen gebe