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Das ſtolze Mädchen war im Stande, ihr ganzes irdi⸗ ſches Glück für den Geliebten zu opfern, nicht aber, beſonders nachdem das Opfer einmal gebracht war, ſich nutzlos durch die geringſte Schwäche zu erniedrigen; und die Ueberzeugung, daß ſie wirklich kalt wie Eis war, daß er für ſie gar nichts bedeute, halfen ihm ſeine ſchwere Rolle beſſer ſpielen, als ſonſt vielleicht der Fall geweſen ſein würde. Doch fiel er in keine weiteren Ex⸗ treme: der Stich war tief geweſen, die Wunde ließ ſich nie mehr heilen, und er fühlte, daß von dieſem Augen⸗ blick an ſein Charakter einen weit ernſteren und ſchwe⸗ reren Anſtrich erhielt, als er vorher gehabt hatte.
Thekla zeigte ſich nicht im Mindeſten verändert— ſie war ja immer ruhig und nicht ſehr geſprächig ge⸗ weſen— wer aber verändert war, das war Hildur und Victor, welche beide nicht in ihre neuen Verhältniſſe hineinkommen konnten.
Karl's Blicke, lau wie die matten Sonnenſtrahlen an einem Herbſttage, ließen Hildur eine Beklemmung empfinden, welche faſt noch größer war, als diejenige, die ſeine wohlgemeinten aber kühlen Worte zurückließen. Victor dagegen, er mit ſeinem ganzen Ueberfluß an Le⸗ ben, ſtand jetzt gleich einer Bildſäule hinter oder neben Thekla's Stuhl und bewegte ſich faſt gar nicht aus der Stelle, außer wenn ſie ihn anredete, was Thekla gleich⸗ wohl heute Abend häufiger als gewöhnlich that— ja ſie erlaubte es ſich zum erſten Male, eine gewiſſe an⸗ muthige Vertraulichkeit in ihr Weſen einzulegen; und da Victor ſich bei einer Gelegenheit zu ihr hinneigte, um ihr eine Kleinigkeit zu reichen, welche ſie verlangt hatte, legte ſie ihre Hand in die ſeinige und flüſterte in einem Tone, welche den armen Lieutenant ein gutes Stück von der Erde erhob:
„Sei Dir ſelbſt nicht ſo unähnlich, mein guter Victor: ſonſt muß ich fürchten, daß Du nicht Alles ſehen willſt, was Dich beruhigen kann!“
„O, wie himmliſch gut Du biſt!“ erwiederte er eben
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