Teil eines Werkes 
3. Theil (1849)
Entstehung
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mit Mühe im Stande, die Erinnerungen zu entwirren, welche ſich von dem geſtrigen Abende auf ihn eindrängten.

Alles kam ihm vor wie ein wahnſinniger Traum nach einem ſtarken Rauſche. Doch das Unglück wollte, daß er wachend geträumt hatte, und daß er nicht aus⸗ rufen konnte: Gott ſei gelobt, daß dieſe Leiden mich nur im Schlafe peinigten!

Bei Karl's Charakter war es wohl möglich, bis⸗ weilen während eines langen Lebens außerhalb des ge⸗ wöhnlichen Kreiſes eines ordentlichen und gleichmäßigen Ideenganges zu gerathen ja, es konnte leider wohl ſogar hingehen, daß ein ſo außerordentlicher Fall die ſonſt ruhige Phantaſie in volle Flammen verſetzte; was jedoch nimmermehr möglich war, was nie hingehen konnte, das war die Fortſetzung eines ſolchen Zuſtandes: mit einer neuen Sonne mußte er ein Ende haben, und er hatte es auch, denn eine ſolche Spannung konnte nicht länger mit Karl's Nerven übereinſtimmen. Doch hörte die eigentliche Urſache, welche dieſe Wallung des Blutes veranlaßt hatte, keinesweges damit auf, daß die Wogen deſſelben ſich ebneten.

Nein, nicht allein die Urſache, ſondern auch die Folgen blieben; doch ebenſo ſicher, wie Karl mit Be⸗ ſtürzung und tiefer Reue ſich mit neuen Banden gefeſſelt fühlte, eben ſo ſicher war es auch, daß er in keine feige Wehklage verfallen oder es verſuchen konnte, einen Accord mit ſeiner Ehre zu treffen. Er wußte nicht ganz gewiß, wie weit er mit ſeiner wahnſinnigen Brautwerbung ge⸗ kommen war; als er aber nach einer Unterredung mit den Eltern vernommen hatte, es wäre Alles in ſo gehö⸗ riger Ordnung, daß nur noch das förmliche Anhalten bei den Eltern übrig wäre, ſo bat er den Vater, dieſes Geſchäft zu übernehmen, denn dieſes war das Einzige, was ihm ſelbſt unmöglich war.

Erſt als der Rathsherr ſich auf ſeine Beſchickung hinweg begeben hatte, wagte ſich Frau Ringeborg mit einem vertraulichen Worte heraus: 11* 1