Teil eines Werkes 
3. Theil (1849)
Entstehung
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Glück, Du willſt den ganzen Himmel herabziehen und umarmſt nur die kalte Erde!... Doch auch Du ſollſt einige Roſen finden, wenn auch bleiche: ich will, ja ich will es mit der ganzen Kraft meiner Seele verſuchen, ſie Dir zu bieten!

Am folgenden Morgen, da gerade Hildur mit ihrer Mutter die geheime Unterredung hatte, erhielt der Groß⸗ händler einen Beſuch von dem Rathsherrn Salzwedel, welcher im Namen hires Sohnes förmlich um Hildur's Hand anhielt, ein Anhalten, das Holgerſen, nachdem der Rathsherr verſichert hatte, Hildur hätte ihre Zuſtim⸗ mung gegeben, um ſo geneigter war, mit einem dank⸗ baren Ja zu erwiedern, als es ihm, ganz im Gegenſatz mit Thekla, ſehr glücklich zu ſein ſchien, ſich mit einer angeſehenen Familie zu verbinden; denn je mehr Leute in dem Falle des Unmöglichſten(nämlich einer Entdeckung ſeiner ſchwärzeſten That) mit ihm in das Unglück hexab⸗ gezogen würden, deſto beſſer, denn ſie waren ja eben ſo viele intereſſirte Bundesgenoſſen..

Geſchlagen von dem größten Schrecken, von einent Leiden, das keine Worte fand Amelie war ja gar nicht um Rath gefragt worden, da die Tochter eingewil⸗ ligt und der Rathsherr um ſie angehalten hatte eilte die bekümmerte Mutter in Thekla's Zimmer. O, wie ſollte ſie ihr dieſen ſchrecklichen Schlag ertheilen können!

Liebe Mutter! in Gottes Namen was gibt's? fragte Thekla, welche nicht nur ihre Morgentoilette beendigt hatte, ſondern auch jene Art von geiſtiger Toilette, bei welcher Seelenſtärke und ein ſtarker Wille vor allen Dingen die Aufwartung haben. Auf der Wange brannte keine verrätheriſche Röthe mehr, die Augen waren ruhig und klar, die Stirn Prolätiet, die Haltung feſt wie The⸗ kla's eigenes feſtes Weſen.

Der Jungferthurm. III. 11