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„Wäre ſie eine Heilige, ſo wäre ſie allzu erhaben, als daß ſie von Deinen Stichen Schmerz empfinden könnte; da ſie nun aber bloß ein Mädchen mit menſch⸗ lichen Gefühlen iſt, ſo ſollte es Dir, ihrer eigenen Schwe⸗ ſter, kein Vergnügen machen, ſie auf eine Art zu plagen, die ſowohl Deiner, als auch eines jeden Menſchen, der ein wenig Herz hat, ganz unwürdig iſt.“
„Ich verſichere Dich, Roſa, Du fängſt an aus einem Tone zu reden, der Dir ſehr wenig paßt! Willſt Du Dich zu einer Meiſterin über mich erheben? Kannſt Du Dir vorſtellen, daß ich es einem Kinde geſtatten ſollte, auf mich einzuwirken? Nein, ſpare Dir ſelbſt den Verdruß, daß ich über Deine Einfalt lache! Auf jeden Fall dauert es noch lange, bis Thekla von mir ſo ſehr geplagt iſt, als ich von ihr geplagt worden bin... Kannſt Du Thekla's Handlungsweiſe gegen Karl und dann gegen mich vertheidigen, da ſie ſich mit Victor verlobt hat, welcher ohne ihre beſtimmte— hörſt Du Roſa, ich ſage: beſtimmte— Aufmunterung gewiß eines Tages zu den Pflichten zurückgekehrt ſein würde, die er vormals ſo heilig beſchworen hatte?... Nein, ſchweig— keine Vertheidigung!“
„Ich will ſie ja nicht vertheidigen, ich will nur ſagen, daß ich eine felſenfeſte Ueberzeugung von dem Adel und der Reinheit in Thekla's Charakter habe. Wir kennen ihre Gründe nicht, doch hat ſie Gründe gehabt; und ſollte ſie auch Deine Gefühle verletzt haben, ſo iſt ſie wenigſtens entſchuldigt, denn Dein eignes Betragen gab am beſten zu verſtehen, daß ſie venkohlt waren.“*
„Das ſind ſie auch, und zwüͤr auf ewig— und eben weil mein Herz frei iſt, kann ich auch neue Bande knüpfen, ohne zu erröthen, und ich glaube, das iſt mehr, als was Thekla mit aller ihrer Scheinheiligkeit gekonnt hat.“
„Wie? neue Bande?“
Roſa kam ſchnell von der Thür zurück.„Du ſcher⸗ zeſt, Hildur!— oder iſt wohl etwas Außerordentliches, etwas Unglückliches vorgefallen?“


