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wilder und unbeſchreiblich klagender Ton Beide erſchreckte, ſo daß ſie die Blumen los ließen und ſich umwendeten.
Kein Menſch war zu ſehen. Sie waren nicht im Stande, ſelbſt wenn ſie näher geſtanden hätten, zu be⸗ merken, wie zwei, von Liebe, Haß und Eiferſucht funkelnde Augen an der unterſten Kante des entlegenſten Theiles des Zaunes blitzten; auch konnten ſie nicht ſehen, daß Will, wie ein Igel zuſammengerollt, dicht an dem Ge⸗ büſche lag. Nicht einmal Roſa hatte eine halbe Ahnung, daß es Will ſein könnte, denn ſie war überzeugt, daß er ſich nicht ſo früh nach der Stadtſeite wagte— überdieß war dieſer Ton nicht Will's„klagender Seufzer“, auch war Rolf nicht zu hören; Rolf aber par dennoch da, eben ſo unbeweglich wie ſein Herr.
„Woher kam dieſe Weckung?“ ſagte Albin, indem er ſpähend mit ſeinem Blicke über die Gegend fuhr.
„Ach,“ rief Roſa beſtürzt,„es war gewiß ein Un⸗ Nlücklicher aus der Heimath der Wahnſinnigen!..“
ie glücklich war Will in dieſem Augenblicke, daß er taub war— Roſa's Worte hätten ſonſt gewiß ſein Herz durchbohrt.
Der Capitain konnte über den ſchneidenden Ton ebenfalls keine andere Erklärung geben. Inzwiſchen war der Zauber einmal gebrochen, das Nachdenken trat an ſeine Stelle, und der Mann, welcher die ganze Bahn des Lebens nach Grundſätzen durchwandern wollte, konnte ſich des Verbrechens nicht länger ſchuldig machen, daß er ſich hinreißen ließ von einem Gefühle, das mit denſelben im Widerſpruche ſtand, ſo neu es auch ſein mochte; denn ohne den Äbſcheu in Anſchlag zu bringen, welchen die Handlungsweiſe und die Perſon des Groß⸗ händlers ihm einflößte, war es ein beſtimmter und ſo oft erwogener Grundſatz, nie den Rauſch des Augenblickes über ein ganzes Leben entſcheiden zu laſſen. Eine Liebe, die zu ihrem Aufwachſen nur die Zeit weniger Wochen gehabt hatte, konnte unmöglich reif ſein, das Herz mochte
Der Jungferthurm. I. 17


