Teil eines Werkes 
2. Theil (1849)
Entstehung
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V rungen gehabt hätten. Doch ein Mann, der durch die

Vorſorge ſeiner eigenen Braut auf den Weg der Ver⸗ ſuchung geleitet worden iſt und ihr ſchon längſt den Rapport von ſeiner unfreiwilligen Untreue abgeſtattet hat, der braucht ja nicht zu erröthen, wenn er ihr die letzte Wahrheit mittheilt.

Das iſt wahr, Victor! Doch was wollteſt Du

denn der Mutter ſagen?

Eben das, was ich jetzt Dir ſage: daß mein Herz Dir nicht länger gehört, daß ich vergebens das Gebot der Pflicht zu Hülfe rufe, und daß wir daher nicht klü⸗ ger handeln können, als wenn wir... unſere beabſich⸗ tigte Vereinigung auflöſen.

In vollem Ernſte?

In vollem Ernſte!

Uns auf ewig trennen?

Auf ewig!

Aber wenn Hildur's Stimme nahm hier einen ſchmelzenden Ausdruck an, ihre Augen drangen, ſo tief ſie jetzt kommen konnten, in das Herz des ehemaligen Liebhabers einwenn ich hart geſtraft wäre, Victor; wenn ich trotz alles meines Leichtſinnes... jetzt rede ich im Ernſte, verſtehſt Du?.. nicht aufgehört hätte, Dich zu lieben, obgleich Du mir ungetreu geweſen biſt; wenn ich ſagte: Victor, vergib mir, habe Erbarmen mit mir:

ich habe ſchrecklich gefehlt gegen Dich, gegen mich ſelbſt,

gegen Thekla, gegen Karl, gegen Gott! Wenn ich fer⸗ ner ſo thäte... ſo ſie warf ſich vor dem beſtürzten Victor auf die Knieeund Dich flehte, mich nicht mir ſelbſt zu überlaſſen; wenn ich ſagte: ich will nach⸗ ſichtig und ſanft werden, Dir nie Vorwürfe machen, niemals klagen: ich will Dir behülflich ſein, die Her⸗ zenswunde zu heilen, welche meine ſündhafte Unbedacht⸗ ſamkeit geöffnet hat... dann, dann, o mein Victor, mein Leben, meine Seele! dann würdeſt Du es nicht weigern, mich zu hören, dann würdeſt Du nicht den Muth haben, von mir zu fliehen und mich dem entſetz⸗ lichen, tödtenden Schmerze, Dich zu verlieren, überlaſſen!