Teil eines Werkes 
2. Theil (1849)
Entstehung
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Hildur! ſollteſt Du im Ernſte ſprechen? Victor! Hildur führte die Hand mit dem Taſchentuche an die Augenwie kannſt Du nur den Gedanken äußern, daß ich in dieſem Augenblicke im Stande ſein ſollte, zu ſcherzen? Es iſt und bleibt den⸗ noch eine ewig beſtehende Wahrheit, daß wir, Du und

ich, uns vereint fühlen durch unſere Erinnerungen und die Gleichheit in unſern Seelen und Charakteren. Wir

waren ohne Zweifel für einander geſchaffen, doch da wir uns Beide undankbar bezeigt haben, ſo ſind wir aus unſerem Eden verjagt worden.

Ja, wir ſind ſehr undankbar geweſen.... und nach einem achttägigen Seelenkampfe... Victor ſchwieg.

Fahre fort, mein Lieber!... ich meine, es iſt ge⸗ rade acht Tage her, da Thekla den Verlobungsring vom

Finger ſtrich!

Victor erröthete ſtark.Du verſprachſt ja, nicht

boshaft zu ſein?

Laß uns nicht damit die Zeit verſchwenden, daß wir unſere Worte durchhecheln!... Nach achttägigem Seelenkampfe, ſagteſt Du?

.. Bin ich zu vollkommener Ueberzeugung in Betreff des Gegenſtandes gelangt, welchen wir ſchon einmal abgehandelt haben.

Welchen Gegenſtand meinſt Du?

O, welche erkünſtelte Vergeßlichkeit! Haſt Du nicht ſelbſt geſagt, daß unſere Undankbarkeit uns aus unſerem Eden verjagt hat! Aus Eden vertrieben zu ſein, heißt ſo viel, als nicht mehr lieben und iſt die Liebe ver⸗ kohlt, ſo iſt es verlorene Mühe, in die Funken zu bla⸗ ſen: es will nicht einmal ein Rauchfeuer, geſchweige denn eine helle Flamme werden.

Welche unvergleichliche Offenherzigkeit! Ich ſchmeichle mir mit der Hoffnung, daß ich die erſte Braut bin, welche dergleichen Geſtändniſſe entgegen genommen hat.

Das möchte ich beinahe auch glauben, denn nim⸗ mermehr hätte ich zu dieſer Erklärung den Muth ge⸗ habt, wenn wir nicht ſchon eben ſo ſonderbare Erklä⸗

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