Teil eines Werkes 
2. Theil (1849)
Entstehung
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Hildur, ich betheure, daß... daß es mir Noth thäte, mit meiner guten Tante zu reden!“ „Das thut mir ebenfalls Noth, und wenn ſie nach Hauſe kommt, ſo können wir Beide mit ihr reden.“ „Wäre ich an Eurer Stelle,“ ſiel Roſa ein, welche noch immer auf der Thürſchwelle ſtand,„ſo wüßte ich wohl, was ich thäte!“

„Und ich weiß es auch!“ ſagte Hildur.„Dieß

ich verurtheilt ſein, des Tages tauſendmal vor Ungeduld zu ſterben?“— Jetzt machte Roſa die Saalthür an ihrer Seite zu,

während Victor mit ſeiner Braut durch die an der an⸗

dern Seite verſchwanden.

Die Verlobten waren allein.

„Nun, Victor, jetzt keine Präludien! wozu dienen dieſe? Hältſt Du mich für ſo einfältig, daß ich nicht begreife, was eine achttägige Abweſenheit zu bedeuten hat? Es iſt alſo Deine Abſicht, Deine ehrenwerthe Rolle zu Ende zu ſpielen?“ 1

„Hildur, wir müſſen einander verſtehen! Ich bin ſehr entmuthigt, meine Seele iſt ganz außerordentlich verſtimmt.... o, wenn Du heute nicht boshaft ſein wollteſt!“

„Ach ſo, wir wollen die Sache von der ſentimen⸗ talen Seite angreifen— nun, das kann ja auch an⸗ gehen!... Mein beſter Victor, welche lieblichen und ſanften Gefühle erzeugt nicht die Ueberzeugung der Sym⸗ pathie unſerer Seelen! Auch Deine arme, boshafte und ſchelmiſche Hildur hat es gelernt, im Leben ein ernſteres Ziel zu ſehen, als ſie bisher geſehen hat.... O Victor, wenn Du im Stande wäreſt, die düſtern Gedanken zu faſſen, welche mein Herz zuſammenziehen, wenn ich daran denke, wie übel wir unſere Zeit angewendet haben, als die Liebe noch ihre reichen Schätze auf uns häufte... Wahrlich, wir haben es verdient, daß das Unglück uns mit ſeiner Rache heimgeſucht hat!“

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