nicht, als es zu einem beſtimmten Punkte kam, dem Schickſale zu trotzen— ich mußte entſagen:“
„Und ewig unglücklich werden, meine Thekla? Die⸗ ſes Opfer mehrt die Höhe meiner Qual!“
„Nein, liebe Mutter, ſo darfſt Du es nicht verſte⸗ hen; denn ich erkläre heilig und nehme Gott zum Zeu⸗ gen meiner Worte, welches Schickſal unſer immer harren mag, ſo werde ich es ſtets demjenigen vorziehen, wel⸗ ches mich als Karl's Gattin erwartet hätte, da ich in ſteter Furcht vor dem Schlage hätte beben müſſen, wel⸗ cher Schlag vielleicht nie gekommen, von mir aber nichts deſto weniger täglich erwartet worden wäre.“
„Dein Edelmuth, Deine feinfühlende Reinheit macht mich ſtolz und ſtürzt mich zu gleicher Zeit in Verzweif⸗ lung.... Doch, mein theures Kind, iſt es Dir denn auch gelungen, vor Karl und Frau Ringeborg Deine Weigerung ſo einzurichten, daß keiner, keiner.... ich wage eine unnöthige Furcht nicht auszuſprechen!“
„Wie kannſt Du nur an etwas Anderes denken? Nein, ſo bitter auch das Gefühl iſt, ſo bin ich doch ge⸗ nöthigt geweſen, mich darin zu finden, in ihren Augen für launenhaft, unvernünftig und undankbar zu gelten.“
„War Karl am letzten Morgen nicht hier?⸗
„Nein; auch erwartete ich ihn nicht; denn ich ſchickte ihm an dem Abende des Tages, da ſeine Mutter hier war, den Ring. Nach Karl's Abreiſe ſchrieb dieſe mir einige Zeilen und überſendete dabei meinen Ring.“
„Hatteſt Du denn nicht geſchrieben?“
„Nur wenige Worte: Lebe wohl auf ewig— Gott ſchütze Dich!“
„Ach, dieſe Worte enthalten tauſendmal mehr, als mehrere Seiten voller Klagen!... Und Frau Ringe⸗ borg's Brief— was ſchrieb ſie?“
„Sieh hier das Billet!“ Thekla zog daſſelbe aus der Taſche ihres Kleides und reichte es ihrer Mutter:
„Beſte Thekla!
Mein Sohn hat mich beauftragt, Dir dieſes Pfand einer Liebe zu überſenden, welche vielleicht niemals vor⸗


