hingab. Der Lohn für dieſe meine Schwäche war ſein heilig beſchworenes Gelübde, das freie Leben, welches er bisher auf dem Meere geführt, zu verlaſſen, aus Molde zu ziehen und ſich hieher zu begeben. Er hielt ſein Wort, und mit Ausnahme der unſeligen Schmug⸗ gelei— eine Neigung, welche er leider mit vielen ande⸗ ren Kaufleuten theilt— iſt er immer auf dem Wege des Rechten befunden worden.... Seine Zärtlichkeit als Gatte und Vater iſt muſterhaft geweſen; er hat in dem gemeinen Weſen viel Gutes gethan, und da er mir auch ſeinen Eid abgelegt hat, daß das Verbrechen(welches es auch ſein mag), das auf ſeinem Gewiſſen ruht, ihn niemals vor einen menſchlichen Richterſtuhl fordern und ſomit auch keine Strafe zur Folge haben könne, ſo hatte ich es ſchon gewagt, eine glückliche Zukunft für meine Töchter, dieſe armen Weſen, welche für das Verbrechen des Vaters nicht büßen ſollten, zu hoffen.“
„Beſte Mutter! Sucht nicht Gott die Miſſethaten der Väter an den Kindern heim?“
„Ach, ſage das nicht, meine Thekla— Du vernich⸗ teſt mich! Vergiß nicht meine Worte: was geſchehen iſt, das ſteht zwiſchen Gott und Deinem Vater!
„Das iſt nur ein Troſt in weltlicher Hinſicht und wer weiß noch dazu, wie ſicher er iſt! Drei lange Jahre habe ich die ſchwere Laſt getragen und das Dunkel, wel⸗ ches mit derſelben in meine Seele eindrang, nicht zu durchdringen vermocht! In ſteten Kämpfen habe ich die Hochzeit auſgeſchoben, denn mein Gewiſſen ſagte mir, die Familie Salzwedel, dieſe alte, ſtolze Familie— ja nicht einmal Karl ſelbſt, ſo ſehr er mich auf ſeine Weiſe liebt— würde es jemals verzeihen, wenn dieſer Name entehrt würde durch eine Vereinigung mit.... o Gott, ich wage es nicht auszuſprechen! Die grauſam⸗ ſten Vorſtellungen verfolgen mich: der Richter dort oben iſt gerecht, und wie lange auch die Gerechtigkeit geſchlum⸗ mert hat, ſo kann ja ein Zufall, den man unmöglich vorausſehen kann, ſie wecken.... Nein, ich wagte es


