208 glaube mir, Julie, wäre unſere Verbindung zu Stande gekommen, ſo ſollteſt du es nie erfahren haben; denn ich hatte heilig geſchworen, dich glücklich zu machen.“
Mit einem Blick voll namenlos tiefen Schmerzens ſah ſie Klein an. „Du haſt mich alſo nie geliebt! O ich ahnte es wohl! Waldemar! Waldemar! das war ein grauſames Spiel, das unſere Väter mit uns trieben.— Du er⸗ reichteſt glücklich das erſehnte Ziel.— Ich bin während meiner kurzen Pilgerfahrt wie ein unſteter Flüchtling aus
dem irdiſchen Eden auf der öden Haide, die wir Erde
nennen, umhergeirrt.— Einſam, immer einſam—— und einſam gehe ich jetzt zur langen Ruhe nach dem kurzen aber mühſamen Tagewerk.“.
„O Julie, gute, theuerſte Freundin, quäle mich nicht ſo grauſam!“ bat Waldemar.„Ich hätte, das weißt du, meine Pflicht gerne erfüllt, ich hätte mich bemüht, Marien zu vergeſſen, und im Beſitze deines Herzens, in der Grund⸗ legung zu deiner Glückſeligkeit, wäre nach und nach mein eigenes Glück aufgegangen. Du ſelbſt brachſt da unſere Verbindung durch deine beſtimmte Aeußerung gegen von K.“
„Ich that es, Waldemar, denn mein verwundetes Gefühl, das mir unaufhörlich deinen Mangel an Wärme, deine allzuruhige und ernſte Handlungsweiſe vorhielt, die keineswegs meinen Wünſchen entſprach, und mein böſer Genius, die Eitelkeit, gaukelten mir vor, ich würden in Rang und Zerſtreuungen einen Erſatz dafür finden, daß ich die ſchönſte Gabe, die der Himmel den Erdenkindern ſchenkte, eine gegenſeitige Liebe in häus⸗ lichem Glück nicht genießen durfte.—— Lange, lange
darauf habe ich meinen Mißgriff eingeſehen, und mein
Schickſal ohne Murren ertragen. Ich hatte blos einen Wunſch; Gott hat ihn erfüllt. Ich habe dich wieder⸗ geſehen. Du wirſt bei mir ſein in meiner Todesſtunde, und meiner Hortenſe ein Vater werden. Gelobſt du


