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Sie deutete auf einige daneben ſtehende Tropfen. Nachdem ſie davon eingenommen hatte, wurde ſie wieder etwas belebt. Waldemar ſeufzte und betrachtete mit tiefer Theilnahme den leidenden Ausdruck in den einſt ſo herr⸗ lichen und ſtolzen Zügen.
„Ich muß doch ſterben,“ ſagte ſie, und ein weh⸗ müthiges Lächeln ſchwebte über die bleichen Lippen.„O Waldemar, wenn der Menſch am Rande des Grabes ſteht, wie ganz anders als vorher erſcheint uns da das Leben und ſeine kleinlichen Sorgen! Jetzt, da mich keine Rückſichten mehr an die widrigen Umgangsregeln der Welt binden, mußt du mir ſagen, was mir immer dun⸗ kel war: liebteſt du Marien vor mir, oder haſt du für mich nie ein wärmeres Gefühl gehegt? Warum, warum, o warum begehrteſt du dann meine Hand?“
Klein befand ſich in der peinlichſten Verlegenheit über dieſe unerwartete Frage. Eine aufrichtige Antwort, fürchtete er, würde ſie zu ſehr erſchüttern; eine zweideu⸗ tige wagte er nicht zu geben.
„Beſte Julie,“ bat er in ſanftem und unbeweglichem Tone,„beunruhige dich nicht mit dem Vergangenen. Du biſt wirklich gewiß zu ſehr...“
„Stille, ſtille,“ unterbrach ſie ihn ungeduldig,„keine Ausflüchte! Jetzt will ich das erfahren; denn bald kann ich dich nicht mehr hören.“— Sie winkte ungeduldig, daß er antworten ſolle.
„Nun wohl, Julie, wenn du es ſo willſt, ſo muß ich wohl. Ich hatte nie,“— ſeine Stimme zitterte— „wahre Liebe gekannt, ehe ich mit Marien bekannt wurde, und würde eben ihre Hand begehrt haben, als mein Va⸗ ter mich heimrief, und ich an ſeinem Todenbette, ohne daß ich eine Gelegenheit mich zu erklären fand, erfuhr, daß er ohne mein Wiſſen um deine und deines Vaters Ein⸗ willigung zu einer Verbindung zwiſchen uns gebeten habe. Ich gehorchte; denn ich konnte meinen Vater nicht verletzen, und dich nicht ſo tief beſchimpfen. Aber


