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Endlich faßte er Muth, öffnete und ſtand bald vor einem Sopha, auf welchem kaum der Schatten der frü⸗ heren Julie St—hal ruhte, an einige aufgehäufte Polſter gelehnt.
Der Doctor, von Erſtaunen ergriffen, trat einen Schritt zurück. 3
Sie lächelte und reichte ihm die feine, durchſichtige Pha die ſo abgemagert war, daß jede Ader durch⸗
ien. „Du biſt beſtürzt, lieber Waldemar, mich in einer ſolchen Lage zu ſehen. Du haſt doch, wie ich ſehe, ein Gefühl für mich, das aus deinem mitleidigen Blicke ſpricht.“
„Julie, kannſt du daran zweifeln?“ flüſterte die ihr ſo theure, wohlbekannte Stimme.„Einen aufrichtigeren Freund haſt du nie gehabt. Aber, um Gotteswillen, ſage mir, wie iſt es möglich, daß du in dem ſchwachen Zu⸗ ſtande, in dem du dich befindeſt, allein und noch dazu auf der Reiſe biſt? Wo iſt dein Mann?“
„Auf ſeiner Reiſe zum Ererziren. Er folgte mir bis L., wo er für ein paar Tage durch Geſchäfte zurück⸗ gehalten wird; und da ich wußte, daß ihr jetzt noch nicht nach Brunkenäs abgereist wäret, ſo machte ich nach Ks. eigenem Wunſche dieſen kleinen Umweg, um auf dem übrigen Weg deinen Beiſtand zu genießen.“
„Sprich nicht ſo viel! du befindeſt dich gewiß ſchlim⸗ mer als gewöhnlich?““
„Ich bin ſehr ermüdet und matt von der Reiſe; ſonſt nichts.“.
„Liebe Julie, warum haſt du am Wirthshauſe vor⸗ fahren laſſen, da du überzeugt ſein konnteſt, wie ſehr es mich, meine Frau und uns alle gefreut haben würde, dir unſere Sorgfalt widmen zu dürfen? Wenn es deine Kräfte zulaſſen, ſo machen wir heute Abend noch einen Umzug.“
„Heute nicht mehr, lieber Waldemar; ich bin es nicht im Stande. Siehſt du, es iſt nicht thunlich,“ ſagte ſie und ihr Haupt ſank kraftlos auf die Kiſſen nieder.


