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Nachſchrift.
Als Anhang zu der Biographie des Kammerers theilen wir folgenden, kürzlich uns zugekommenen Auszug aus einem Brief des Regierungs⸗Sekretärs Roſell an den Diſtriktsrichter Wetterquiſt mit:
„Unſer alter Laßman iſt auch heimgegangen! Der Herr hat ihm den Dienſt noch zu rechter Zeit erzeigt, denn, um die Wahrheit zu ſagen, in der letzten Zeit trieb es ſeine Frau etwas zu ſcandalös und plagte ihn mehr, als er es für ſeine Thorheit verdiente, ſie zur Frau genommen zu haben. Auf dem Todtenbette machte indeſſen der Alte ſeinen Fehler durch einen Akt der Selbſtändigkeit wieder gut, für welchen ich ihn noch un⸗ ter dem Boden achten muß. Er ließ nämlich ſein Teſta⸗ ment gerichtlich abändern, und ſo bekommt nun ſeine Frau nichts als eine jährliche Rente. Die Hälfte ſeines Vermögens(welches, Dank der Fürſorge der Madame, ziemlich geſchmolzen iſt) erhält Will, welcher durch Fleiß und gutes Betragen dieſe Aufmunterung wohl verdient, den Reſt hat er zu milden Stiftungen verwendet. Vor drei Wochen habe ich ſeinem Leichenbegängniß beigewohnt — er wurde ohne Ceremonien auf dem Johanniskirchhof beerdigt.
Die junge Wittwe hat natürlich ihre hübſche Woh⸗ nung mit all' ihrer Pracht verlaſſen müſſen, und iſt zu ihrer Mutter in die Kramgaſſe gezogen. Sie geht, wie Du Dir wohl denken kannſt, in tiefſter Trauer, aber ich laſſe dahin geſtellt ſeyn, ob für den Alten oder für ihre zu Grab gegangenen Hoffnungen. Vielleicht würde ſie


