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Spiegel Schildwache ſtand, war, ſeinen Schnupftaback auf Flaſchen zu füllen, ihn zu ſchütteln, anzufeuchten, an die Sonne zu ſtellen, kurz, ihm alle mögliche Sorg⸗ falt zu widmen. Und wenn man ja einmal ein mattes Lächeln auf ſeinen Lippen ſpielen ſah, ſo war es höch⸗ ſtens, wenn er an dem Fenſter ſtand und die nicht unanſehnliche Reihe wohlgeordneter Schnupftabacksbou⸗ teillen betrachtete.
Der arme Kammerer!
So verging einige Zeit. Kein Menſch bekümmerte ſich um den Greis und er war eines Nachmittags nicht
wenig erſtaunt, als er von ſeinem gewöhnlichen Mit⸗
tagsſchläfchen erwachte und Liſa's Geſicht, mit dem alten wohlbekannten lieblichen Lächeln über ſich gebeugt ſah.
„Ach, was haſt Du mich erſchreckt!“ ſagte ſie.„Du haſt ſo ruhig da gelegen— daß ich glaubte, Du ath⸗ meteſt nicht mehr.“
„Ja, ja, es wird nicht lange mehr bis dahin dauern!“
„Geht es denn Dir ſchlimmer als gewöhnlich?“ fragte ſie.
„Es geht mir immer ſchlimm,“ erwiederte der Kammerer lakoniſch. Die glückliche Zeit war vorbei,
wo er noch an ihre Theilnahme zu glauben wagte.
Liſa ſtellte ſich, als verſtehe ſie ihn nicht. Gleich⸗ ſam unwiſſentlich ergriff ſie die alte Guitarre, welche, ſeit ſie ſich eine neue elegante angeſchafft, aus dem Boudoir in die Stube ihres Mannes verwieſen worden war, ließ ihre Finger über die Saiten hingleiten und ſpielte die Melodie zu Ulla Winblad's Heimreiſe von Heſſingen. Endlich begann ſie auch zu ſingen. Dieſen Tönen konnte der Alte nicht widerſtehen; er fühlte ſich gleichſam in ſchmerzliche Wehmuth aufgelöst, als er an den Unterſchied zwiſchen jetzt und damals dachte, wo Liſa, bei einer Fahrt nach Heſſingen, im Sommer vor ihrer Verehelichung, daſſelbe Lied geſungen.


