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233 ſammentreffens im Voraus ſicher zu ſtellen, ſchrieb er ſogleich nach ſeiner Rückkunft in die Hauptſtadt folgendes Billet an Liſa:
„Madame!
Nachdem ich alle Zeit, welche mir die Pflichten meines Dienſtes übrig ließen, darauf verwandt hatte, Ihren Aufenthaltsort— der mir noch vor Kurzem Alles war— zu entdecken, erreichte ich endlich meinen Zweck. Verzeihen Sie, wenn mir die Worte fehlen, um auszu⸗ drücken, welche Gefühle ſich meiner bemächtigten, als ich mich beſchimpft, verhöhnt, in meinen ſußeſten Hoff⸗ nungen betrogen fand! Es ſey Ihnen genug, daß ich Alles weiß, das ganze galante Abentheuer mit dem Pfarrer. Nur das Eine Wort laſſen Sie mich hinzu⸗ fügen: das Weib, welches ich angebetet habe, ſteht nun ſo tief in meiner Achtung, daß ich mich ſelbſt verachten müßte, wenn ich ihr nur einen einzigen Vorwurf machen wollte. Roſell.“
Nichts glich Liſa's Freude, als ſie das Billet las, welches von der ſchwärzeſten Eiferſucht diktirt ſchien. Wie ſchmeichelte ihr dieſer Beweis ſeiner verzehrenden Leidenſchaft! Sie war überzeugt, daß es blos eines Wortes bedurfte, um den Empörer in ſeine früheren Bande zurückzurufen, allein auch dieſes einzige Wort wollte ſie nicht ausſprechen, er ſollte erſt kommen und darum betteln. Aber es dauerte ihr nachgerade doch zu lange, und als ein Tag um den andern verging, ohne daß ein Roſell ſich ſehen oder hören ließ, entſchloß ſie ſich, ſeiner Verzweiflung ein Ende zu machen, welche doch auf die Länge von ſchlimmen Folgen ſeyn könnte; ſie ſchrieb ein paar Zeilen:
„Komm nur, Du närriſcher Menſch! Ich bin Dir nicht ungetreu geweſen— mein Wort muß Dir mehr gelten, als alle Läſterzungen der Welt. Du biſt jetzt hinlänglich geſtraft und ſollſt wieder zu Gnaden aufge⸗ nommen werden von Lucie.“


