226 lich wurde die Frau krank. Als ſie auf dem Todten⸗ bette lag, ließ ſte ihren Mann rufen und ſagte zu ihm: „Ich fühle, daß es mit mir bald zu Ende ſeyn wird, deßhalb muß ich Dir ein Geheimniß anvertrauen, das bisher Deine Ruhe und Zufriedenheit geſichert hat, wel⸗ ches ich aber nicht mit in's Grab nehmen will, weil es ſonſt meiner Nachfolgerin zum Schaden gereichen könnte. Du erinnerſt Dich, wie ich Dir einige Zeit nach unſerer Verheirathung vorſtellte, daß das beſtimmte Haushal⸗ tungsgeld nicht ausreiche— Du wurdeſt böſe und woll⸗ teſt nichts davon wiſſen, und gabſt mir keinen Stüber weiter⸗ Um nicht Deine Ruhe und unſeren häuslichen Frieden zu ſtören, ließ ich mir einen Nachſchlüſſel zu Deiner Gelskaſſe machen, und nahm jedesmal das Dop⸗ pelte von dem, was Du mir für den Monat auggeſetzt hatteſt. Ich weiß nicht, ob Du jemals den Verluſt be⸗ merkt haſt— da aber der Verdacht des Diebſtahls doch wohl nicht auf Deine Frau fallen konnte, war ich auch in dieſer Beziehung ziemlich ruhig. Ich durfte es auch mit gutem Gewiſſen vor Dir geheim halten, denn ich habe nie einen Pfennig ausgegeben, der nicht nothwen⸗ dig und zum Beſten der Haushaltung geweſen wäre. Jetzt ſage ich es Dir aber, weil Du Dich vielleicht wie⸗ der verheiratheſt, und dann dasſelbe thörichte Begehren an Deine zweite Frau ſtellen könnteſt, welche dann kei⸗ nen ſo guten Ausweg, wie ich, finden möchte.... Und nun, mein lieber Laßman, frage ich Dich, ob Du noch der Meinung biſt, der Ehemann habe klug gehandelt.“ Dem Kammerer fuhr der Schrecken durch alle Glie⸗ der. Seine erſte unwillkührliche Bewegung war, daß er mit der Hand in die Taſche fuhr, um ſich zu vergewiſ⸗ ſern, ob der einzige Talisman, womit er bis daher ſeine Frau noch hatte kirre machen können, ſich noch an ſei⸗ nem Platz befinde. Allein, was half dies, wenn ſie ei⸗ nen Nachſchluͤſſel machen ließ? Von heute an beſchloß
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