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Fräulein Mathildens Näharbeit mit andern Augen be⸗ trachtete, als das Uebrige, und gewiſſe werthvolle Spie⸗ lereien ſich einer zärtlicheren Aufmerkſamkeit erfreuen durften, als manches Andere, verſteht ſich von ſelbſt; al⸗ lein ſoviel Vergnügen dies auch dem Notarius machte, deſſen Gefühle bisher in lauter Süßigkeit geſchwelgt hat⸗ ten, konnte er doch nicht umhin, einen Gegenſtand zu bemerken, welcher mit einem weißen Tuche bedeckt, auf einem Nebentiſchchen lag.
Wetterquiſt's Neugierde ward rege, und da er es für eine ſehr verzeihliche Sünde hielt, ſie zu befriedigen, lüftete er vorſichtig die Verhüllung. Er hatte vermu⸗ thet oder vielmehr ſich geſchmeichelt, etwas zu finden, was dem liebenswürdigen Fräulein angehörte; aber das Herzklopfen, mit welchem er ſeine Unterſuchung begann, nahm zehnfach zu, als er ſtatt deſſen, was er erwartete, ſein eigenes Gemälde fand, welches Mathilde in Frau Normans Trödelbude gekauft hatte.
Andere Gefühle und Vorgänge hatten ihn den Vor⸗ fall vergeſſen laſſen, jetzt aber ſtand ſie wieder lebhaft vor ſeinen Augen. Die unangenehme Erinnerung an einen für ſeinen Stolz ſo peinlichen Augenblick, neben der Furcht, das Bild möchte vielleicht zu irgend einem Zweck, welcher auf ihn Bezug haben könnte, hingelegt ſeyn, jagte ihm das Blut in die Wangen, und brachte ihn in eine folche Aufregung, daß er die Serviette wie⸗ der darüber zu werfen vergaß. Als das Fräulein die Thüre öffnete, war es zu ſpät. Er hätte vor Schaam in den Boden ſinken mögen, und das erſtemal in ſeinem Leben durchfuhr ihn der Gedanke, daß es ihm an ange⸗ bornem Takt mangle. Wie einfach und leicht hätte er ſich ſonſt aus einer ſo unbedeutenden Verlegenheit zu helfen gewußt, ſo aber wuchs das Peinliche ſeiner Stel⸗ lung durch den unvortheilhaften Schluß, den er über ſich ſelbſt machte. Mit tiefſter Niedergeſchlagenheit erblickte
Fer ſich als das Bild eines jungen Gymnaſiaſten, welcher
Kammerer Laßman. II. 4


