Teil eines Werkes 
4.-letzter Theil (1844)
Entstehung
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43 Auf Ehre, ſo leichtſinnig ich auch bin, ſo möchte ich

doch nicht einem jungen unſchuldigen Mädchen den Kopf verrücken oder, noch ſchlimmer, ihren Frieden zerſtören. In einem ſo delikaten Fall kann bei Gott Leichtſinn mehr Unheil anrichten, als man ſich zuweilen träumt.

Gut gepredigt! verſetzte der Notar empfindlich;

und um ſo beſſer, aus dem Munde eines Herrn, der ſo eben erſt noch ſagte, daß er einen Ehemaun bei ſeiner Frau ausſtechen wolle. Nun ja, das iſt aber auch ein verteufelter Unter⸗ ſchied! Ich mache mir nicht das geringſte Gewiſſen daraus, zehn Weibern auf ein Mal die Cour zu machen; allein ſich durch Blicke, Worte, Händedrücken, halbmerk⸗ liche Anſpielungen und dergleichen, in das Herz eines jungen Mädchens einſchleichen, mit welcher es mir un⸗ möglich Ernſt ſeyn kann, das könnte ich mir in meinem ganzen Leben nicht verzeihen, denn dieß iſt gemein ja niederträchtig!

Vielleicht lachte der Notarius verächtlich.Du haſt wohl Liſa nie den Hof gemacht, Du?

Nein, auf Ehr' und Seligkeit, ſo wenigſtens nicht, wie Du! Ich hatte wohl ein Mal ernſtliche Abſichten auf Liſa Norman: denn ſie hat viel in ihrem Ausſehen und Weſen, das mich anzieht. Ich horchte indeſſen bei dem alten Laßman ein wenig hin, als ich aber merkte, daß es mit der Erbſchaft nichts ſeyn ſollte, da nahm die Sache natürlich von ſelbſt ein Ende. Ich hatte noch kein Wort geſagt, und konnte deßhalb recht wohl

auf die alte freundſchaftliche Weiſe meine Beſuche fort⸗

ſetzen, verſtehe mich wohl freundſchaftliche!

Freundſchaftliche Beſuche, verſetzte der Notarius, das iſt ein weitumfaſſender Begriff. Ich erinnere mich, bemerkt zu haben, wenn mich meine Augen nicht trügten, daß Du den Kammerer ein Mal während ſeiner Ab⸗ weſenheit beſuchteſt; wahrſcheinlich muß doch Jemand dort geweſen ſeyn, der Dir öffnete, denn Du bliebſt wohl eine ganze Stunde darin.