—.——
2—— ————
—— 8—,—
28
vernachläſſigt hatte; nicht ein einziges Mal hatte ſie ihre Taſchenſpielerkünſte damit getrieben, und als ſie einen Blick auf ihren Alten warf, der mit rothaufge⸗ laufenem Geſichte da lag und ſeinen Mittagsſchlaf hielt, merkte ſie mit betrübtem Herzen, was ihr Verſäumniß für traurige Folgen gehabt.
Drei volle Tage lang hatte Meiſter Ficker das Le⸗ ben genoſſen und war„Kapitan“ geweſen, wie er es zu nennen pflegte, und war bei der Erinnerung an die goldene Zeit ſo ſelig, daß er ſich im Paradieſe glaubte. Natürlich ſetzte der Alte dies einzig und allein auf Rech⸗ nung der nicht genoſſenen Fleiſchbrühe, und wir treten der Wahrheit keineswegs zu nahe, wenn wir behaupten, daß Meiſter Ficker durchaus nicht untröſtlich geweſen wäre, wenn ſeine Ehehälfte noch ein paar Tage hätte das Bett hüten müſſen. Denn in dieſer glücklichen Zeit ſtand nur Sauermilch und Syrupkalteſchale auf dem Speiſenzettel.
„Ja, ja, das ſieht ſchön aus!“ meinte Muhme Neta, während ſie in ſehr verzeihlicher Eile in den grünen
Unterrock ſchlüpfte und ſchleunig auf den unglückſeligen
Wandſchrank losſtürzte. Aber beinahe wäre ſie vor Schrecken in Ohnmacht geſunken, als ſie entdeckte, daß der Alte ſchon reinen Tiſch gemacht hatte, und auch nicht ein Tropfen mehr in der Flaſche war, welche er am Abende vorher mit nach Hauſe gebracht.„Herr meines Lebens, was für ein Saufaus!“ rief Muhme Neta den Himmel zum Zeugen ihres Jammers an.„Hab' ich unglückſeliges Weib mit all' meiner Pflege und Sorge ſo Etwas um das alte Schwein verdient? Aber wart' nur, Alter, wart' nur!“ Bei dieſen Worten verwandelten ſich die kummervollen Züge ihres Antlitzes in Zorn und grimmige Entſchloſſenheit.„Wart' nur, Morgen iſt wieder ein Tag! Morgen, ſo wahr ich das Leben habe, fangen wir die alte Ordnung wieder an, da bin ich Dir Mann dafür!“
Nach dieſer Herzensergießung, welche ihr eine ge⸗


