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meiſterin erhielten auf ihre Fragen nur ausweichende, kurze, abweiſende Antworten und überließen ſie dann ſich ſelbſt und ihrer Laune— ſie waren ja von jeher gewohnt, dem verzogenen Kinde allen Willen zu thun. In dem vorliegenden wichtigen Falle wollte Liſa gleich ihren ei⸗ genen Verſtand um Rath fragen. Sie wußte, daß ihre Mutter partheiiſch ſeyn würde, und hatte auch Recht; Frau Norman hätte ihrer Tochter keine Sekunde Ruhe gelaſſen, ehe ein ſo überaus glücklicher und wünſchenswerther Handel abgeſchloſſen geweſen wäre,— denn nächſt dem Wunſch, ſelbſt den Kammerer zu heirathen, konnte ihr natürlicherweiſe nichts willkommner ſeyn, als ihn zum Schwiegerſohn zu haben... Liſa wußte den Vortheil einer ſolchen Parthie nicht gebührendermaßen zu ſchätzen,— die Mutter hätte ſte darüber belehrt. Einer ſolchen Un⸗ terweiſung wollte aber die Tochter eben entgehen— und deßhalb behielt ſie die Sache für ſich. Es kitzelte zu⸗ gleich auch ihren Stolz und ihren Leichtſinn, ſelbſt über ihr Schickſal zu entſcheiden.
Allein was für Beweggründe waren es, welche das neunzehnjährige Mädchen vermochten, ernſthaft an eine Verbindung mit dem alten Kammerer zu denken, ein Mann, welcher ſie bisher kaum anders als wie einen Vater anzuſehen gewohnt war? Wir bedauern ſagen zu müſſen— allein wir ſind es der Wahrheit ſchuldig— daß Liſa's Motive um kein Haar beſſer waren, als bei hundert anderen jungen Mädchen, wenn ſie mit äußer⸗ lichem Zwang und ſcheinbar widerſtrebend den Antrag eines alten Mannes annehmen. Als Liſa Abſchied von dem„Triangel“ nahm, warf ſie einen Blick in den großen Spiegel, und zu gleicher Zeit konnte der Leſer einen an⸗ dern in ihr Inneres werfen und dort deutlich ſehen, daß ſie der Meinung war, der Eheſtand biete eine unendliche Menge von Vortheilen, welche ſie ſich im ledigen Leben ſammt und ſonders verſagen müſſe.— Nicht daß ſie hätte heirathen wollen, um ſich in ihre vier Wände zu begra⸗ ben, nichts als zu arbeiten und ſich zu plagen, nur für
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