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haben ſich das Heirathen aus dem Kopf geſchlagen und machen mich zu Ihrer Erbin, wenn ich bei Ihnen woh⸗ nen und Sie in ihren alten Tagen pflegen will— iſt's nicht ſo?“ Bei dieſen Worten wollte Liſa dem Alten um den Hals fallen und ihn küſſen.
„Nicht ganz ſo,“ entgegnete der Kammerer und ſchob das Mädchen leicht auf die Seite.„Nichts um⸗ ſonſt, liebe Liſa! Wenn ich Dich nur auf die Bedingung hin zu meiner Erbin einſetzte, daß Du zu mir ziehen und mich bis zu meinem ſeligen Ende warten und pfle⸗ gen ſollteſt, ſo könnte Dich dieß nicht hindern, einen Mann zu nehmen, der vielleicht bald mit all' dem fertig wäre, was ich mir im Schweiß meines Angeſichtes, mit großen Opfern und mancher Entbehrung erworben habe. Nein mein Kind, Du wirſt ſelbſt einſehen, daß dieß un⸗ billig wäre— aber wie geſagt, Nichts umſonſt— ich mache Dich zu meiner Erbin, zu meiner einzigen Erbin. Und dafür, daß Du All' das, was Du hier ſiehſt, Dein nennen darſſt, nebſt dreitauſend Thalern jährlichen Ein⸗ kommens, wenn ich ein Mal nicht mehr bin, verlange ich Nichts weiter, als daß Du meine Frau wirſt, und mich mit Liebe hegſt und pflegſt.“
„Ich?“ kreiſchte Liſa und ſprang vier Schritte weit zurück.„Ich ſoll Ihre Frau werden, Oheim? Nun, das iſt noch das luſtigſte, was mir noch je vorgekommen! Ich bin ja kaum erſt neunzehn Jahre alt und Sie über fünfzig— nein— wie paſſen wir zuſammen!“
„Alſo meinſt Du nicht?“ verſetzte der Kammerer etwas kleinlaut.„Und ich habe es ſo gut gemeint! Ich wollte Dich vor all' den leichtſinnigen jungen Burſchen bewahren, welche, ſo wahr ich lebe, es nicht im Ge⸗ ringſten ehrlich mit Dir meinen uud denen es im hoͤch⸗ ſten Falle nur Ernſt ſeyn mag, wenn Du auf mein Ver⸗ moͤgen rechnen darfſt. Du darfſt mir glauben, liebe Liſa, daß ich aus Erfahrung und Ueberzeugung nur für Dein wahres Beſte ſpreche, welches bei der Art, wie Du jetzt lebſt, nicht gedeihen kannſt, wo Du keinen andern Um⸗
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