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ſein Ziel erreicht; er befahl dem Knecht einzuſpannen und den Kammerer auf die nächſte Station zu fahren.
Die alten Freunde ſchieden ziemlich kalt. Sabine lag in Krämpfen. Aber die hübſche Wittwe lächelte und nickte ihm einen höchſt gnädigen Abſchied zu, denn er war es doch eigentlich, der ihr Glück befördert, we⸗ nigſtens beſchleunigt hatte. Der Kammerer dagegen macht ihr ein ſaures, trübſeliges Geſicht, und der ein⸗ zige Menſch, welcher ſich eines freundlichen Blicks von ihm rühmen konnte, als er der Brita ganze zwölf Schil⸗ linge Trinkgeld gegeben hatte und dem Pfarrhof den Rücken kehrte, war der junge Magiſter, deſſen theil⸗ nehmender Händedruck ihm die Verſicherung gab, wie aufrichtig es ihm leid thue, daß ſein guter Rath keinen beſſern Ausgang genommen hatte.
Erſt nachdem unſer Kammerer ein paar Tage lang auf den Bauernkammern herumgebeutelt worden war, welche hie und da alſo auch ihr Gutes haben, kam er nach und nach wieder zu ſich. Bisher war ihm die Reiſe, ſein Aufenthalt in Warlunda, die Fretlerei und der plötzliche Ausgang der Geſchichte, wie ein Fieber⸗ traum vorgekommen. Je oͤfter er aber ſeine Reiſekaſſe überrechnete, deſto klarer ſtand es vor ſeiner Seele, daß er ſeit ſeiner Abreiſe von Stockholm viel, ſehr viel Geld ausgegeben und leider vergebens ausgegeben habe. Dieß war aber noch nicht Alles: er kam auch mit lan⸗ ger Naſe heim! Seine ganze Verwandtſchaft, Frau Norman, namentlich aber Liſa lachten ihn gewiß aus; dagegen war er ſelbſt nichts weniger als bei luſtiger Laune.
„Ich habe doch merkwürdiges Unglück!“ ſagte der Kammerer zu ſich ſelbſt,„gewiß merkwürdiger! Wenn ich im Geringſten abergläubiſch wäre, ſo würde ich darin ein böſes Anzeichen erblicken, und die ganze Ge⸗ ſchichte in Gottes Namen aufſtecken; aber mein Seel'


