23⁵
ſo vermöglich war, als ſie ſich auf dem Pfarrhofe ein⸗ bildeten? Es konnte leicht der Fall eintreten, daß ſie von dem Regen in die Traufe kam, und da hätte es luſtig ausgeſehen!— ganz allein und verlaſſen, keine Freunde, keine Verwandte! Gott bewahre!“
Vielleicht hätte Frau Sophie etwas liberaler ge⸗ dacht und die mit ihr groß gewordenen Vorurtheile abzuſchütteln geſucht, wenn ihr nicht unaufhörlich gewiſſe artige bedeutungsvolle Ausdrücke des Probſts vorge⸗ ſchwebt hätten, welche die Wagſchale worin das Glück unſres Kammerers abgewogen werden ſollte, etwas auf die andere Seite neigte. Und weiter— du lieber Himmel!— wie würde ſie beneidet werden, wenn ſie Frau Probſtin würde und zwar gerade in dem Spren⸗ gel, wo ſie als armſelige Mitpredigerin früher vor den Bauernweibern und ihren Käſen ſich demüthigſt gebückt hatte! Und vollends wäre es etwas gar nichts Uebles, wenn man auf den CEinladungskarten zu vornehmen Hochzeiten, Kindtaufen und Leichenfeierlichkeiten leſen würde: Hochehrwürdige Frau Probſtin, Sophie Thor⸗ blad— ja, das klang anders, als mit einem armen Kammerer im Land umher zu fahren. Und wenn er auch noch ſo reich wäre und ſie noch ſo vornehm mach⸗ te, wer ſollte es dann in Warlunda erzählen, und wenn es nicht da bekannt würde, was half dann die ganze Vornehmheit und ihr ganzer Reichthum? Das einzige Mögliche wäre noch, im Fall aus der Sache mit dem Probſt Nichts werden ſollte, wenn der Kammerer hier in die Gegend ziehen und ſich ein ſchönes großes Gut kaufte.
„Was geben Sie mir für Hoffnung, liebwertheſte Frau? Welche Antwort werde ich auf meinen Vor⸗ ſchlag bekommen?“ fragte der Kammerer unruhig und faßte ſie zärtlich bei der Hand.„Vielleicht bin ich ſo glücklich, mich als Bräutigam anſehen zu dürfen?“


