Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Achtzehntes Kapitel.

Der Kammerer kriecht in ein leeres Faß und kommt am Ende zu einem verzweifelten Entſchluß.

Die nächſten Tage ging der Kammerer jeder Gele⸗ genheit aus dem Wege, ſowohl mit dem Probſte als mit Sabinen allein zu ſeyn. Dagegen beobachtete er Frau Ternſtröm um ſo ſchärfer und als er bemerkte, daß weder die Küche mit Bettelweibern überſchwemmt war, noch daß die artige Sophie auf ſonſtige Weiſe das ihr anvertraute Gut verſchleuderte, ſo kam er nach und nach auf den ſehr natürlichen Verdacht, daß es dem Probſt darum zu thun ſey, die heilige Sabina los zu werden und deßhalb die Pfarrwittwe bei ihm angeſchwärzt habe.

In Folge dieſes Schluſſes ſtellte ſich ihm die hübſche Haushälterin in dem verführeriſchen, höchſt gefährlichen Lichte einer verfolgten Unſchuld dar, deren Reinheit wie⸗ der herzuſtellen er ſich berufen fühlte. Und wie konnte dieß beſſer geſchehen, als wenn er ſie heirathete und ſo von dem drückenden Dienſtverhältniſſe befreite? Wenn er ſie von ihrem jetzigen niederen Standpunkte in den glücklichen Kreis eines ſtillen, lieblichen Cheglücks erhob, mußte ſie ihm ja wohl für ſeinen Edelmuth unendlich dankbar ſeyn und war ſo offenbar das beſte Weib für ihn. Mußte ſie ſich nicht beſtändig ſagen:Was ich bin, das bin ich durch ihn! Und ſollte ſie es auch hie und da vergeſſen, ſo war er es, der es ihr freund⸗ lich in's Gedächtniß zurückrufen wollte.

Des Kammerers Entſchluß war bald gefaßt; und obgleich Sabina ſich ihm auf alle erdenkliche Weiſe ange⸗