Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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augen und er fühlte, daß es vorbei mit ihm ſey, wenn ſie erſt ſeine Gattin ſeyn würde, Herrſcherin über denTriangel, und nach ſechs Tagen der Ueber⸗ legung ſtemmte ſich die arme Stimme fortwährend noch verzweifelt dagegen.

Es war an einem Sonnabend. Der Kammerer ſaß einſam auf einer kühlen Raſenbank im Garten und horchte faſt andaͤchtig zu, wie Sabine in ihrem Käm⸗ merlein, zur Vorfeier des heiligen Tages, einen hüb⸗ ſchen Liedervers um den andern mit ſcharfen, aushalten⸗ den Trillern ſang. Als ſie gerade im beſten Stagen war und der ehrliche Kammerer meinte, Sabinens Seele müſſe längſt über den Kreis des kleinlichen Erdenlebens emporgeſtiegen ſeyn, erſcholl plötzlich ein ſcharfer Ton von der Küche her, als wäre Porzellan oder Glas zer⸗ brochen. Sabina hatte ihn ebenſo gut vernommen wie der Kammerer, der Geſang hoͤrte plötzlich mitten in einem prächtigen halbfertigen Triller auf, und wie ein Pfeil ſchoß Sabina die Treppe herab in die Küche, wo der Kammerer, welcher neugierig aufgeſtanden und vor⸗ ſichtig beigeſchlichen war, durch die offene Thüre Alles mit anſehen konnte.

Die heilige Sängerin, plötzlich in eine Furie mit fliegenden Haaren verwandelt, faßte mit höchſt eignen Krallen die arme Hausmagd am Kragen und prügelte ſie ſo nachdrücklich durch, daß das arme Geſchöpf, wel⸗ ches ſo ungeſchickt geweſen eine Suppenſchüſſel zu zer⸗ brechen, vor Schreiken auch den Deckel fallen ließ, wel⸗ chen ſie noch in der Hand hatte. Sabina hielt einen Augenblick inne, ihre blauen Augen ſtacken voll Thrä⸗ nen, denn ihr zartes Herz litt dabei, ein ſo ſündiges und elendes Weſen, wie die gemeine Hausmagd, leiden zu ſehen. Vielleicht waren die Thränen auch eine Folge der Anſtrengung, welche es ſie koſtete ihre Zunge im Zaume zu halten. Aber um jeden Preis mußte dieß geſchehen, denn der Kammerer war ja im Garten.