Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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Morgenſtund hat Gold im Mund, entgegnete Sabina, ſetzte aber ſogleich mit holder Verſchämtheit hinzu:Im Fall ich Sie übrigens mit meiner Arbeit beunruhige, Herr Kammerer, werde ich ein andermal nicht ſo zeitig anfangen.

Gott bewahre mich, daß ich eine ſo löbliche Ge⸗ wohnheit ſtören ſollte! erwiederte der Kammerer äußerſt artig.Seit ich weiß was es iſt, werde ich viel beſſer dabei ſchlafen als bei der ſchönſten Muſik.

Der Probſt ſchmunzelte und verſicherte, daß Sabi⸗ nens Fleiß ſchon manches Stück zu wege gebracht habe; wenn ſie ſich einmal verheirathe und Warlunda ver⸗ laſſe, ſo würden alle Pferde in ſeinem Stalle den Vor⸗ rath nicht ziehen können.

Sabine ſchwieg wie es die liebenswürdige jung⸗ fräuliche Schüchternheit erforderte; ſchenkte aber dem Kammerer heute ſeine Taſſe voller ein als geſtern und obgleich Anfangs kein Zwieback auf dem Tiſche geweſen, holte ſie doch jetzt ein Tellerchen voll davon, ſetzte ihn vor den alten Laßman, welcher ſich verneigte, ſchwieg, und trank.

Nach dem Frühſtücke machten die Herren einen

Spaziergang auf dem Pfarrgute umher und nun zeigte der Probſt ſeine Roggenfelder, an deren Beſchickung Sabine gleichfalls mit thätig geweſen; denn ſie war immer die Erſte bei der Sommer⸗ wie bei der Winter⸗ ſaat. Sie ſelbſt maß das Getreide, ging mit und ſäte, die Kartoffeläcker hatte ſie natürlich ebenfalls beſorgt, nicht minder die Leinſaat, ja, ſie beſaß eine ſo glück⸗ liche und gute Hand zum Säen, daß man ihres Glei⸗ chen nicht fand, und alle Bauernweiber auf mehrere Stunden im Umkreiſe gerne den doppelten Preis zahl⸗ ten, um nur ihren Saatlein von Sabinen zu bekommen.

Das iſt ein merkwürdiger Uſus! ließ ſich der Kammerer nachdenklich vernehmen.

Ungemein merkwürdig! wiederholte der Probſt.