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„Ach, das iſt Mamſell Sabine, welche am Webſtuhle ſitzt. Sie iſt immer die Erſte aus den Federn.“
„Welch' ein Weib!“ dachte unſer Kammerer,„was für ein Fleiß und Thätigkeit! Sie könnte mit ihren emſi⸗ gen Händen ein ganzes Haus mit Nahrung und Kleidung verſehen,— und dann hat ſie auch noch ein hübſches Ver⸗ mögen....“ Laßman ſpazierte auf und nieder und machte ſich allerhand Gedanken.
„Ah, Herr Kammerer, ſind Sie ſchon ſo früh auf?“ hörte er eine bekannte Stimme hinter ſeinem Rücken und Sabina, in ihrem weißen Baumwollentuch und einem etwas kurzen und knappen hellgeſtreiften Kattun⸗ röckchen grüßte ihn im Vorbeigehen. Sie hatte noch die Papierwickeln im Haare und Pantoffeln an den Füßen; deßhalb ellte ſie vorüber und hielt das Taſchentuch höchſt anmuthig an die Wangen, damit man die Erdbeere nicht ſah.
Der Kammerer wagte nicht ſie aufzuhalten, auch ge⸗ fiel ſie ihm heute weniger.
„Was kömmt es denn aber auf die äußere Schaale an, wenn nur der Kern friſch und gut iſt!“ tröſtete ſich der nachſichtige Mann. Eine Weile nachher rief man ihn in den Saal zum Kaffee, wo ſchon der Probſt ſeiner wartete; auch Sabina kam bald, lieblich und lächelnd, in Schnürſtiefelchen, Locken und einer ſchwar⸗ zen Bombaſinſchürze, welche zwei Zoll über den Rock herab hing, deſſen kurzen Leib vorn ein kreuzweiſe ge⸗ heftetes Schäwlchen deckte; die Kehrſelte verbarg wie gewöhnlich das weiße Umſchlagtuch, das indeſſen, ſonder⸗ bar genug, heute etwas einem Brautſchleier Aehn⸗ liches hatte, d. h. ſtatt daß es in der Regel die ganze Figur einhüllte, hing es ſtraff und feierlich über den Rücken hinab.
„Der Kammerer bewundert ſo eben Deinen Fleiß, mein Kind,“ ſagte der Probſt; er erzählt mir, daß Dein Webſtuhl ihn geweckt habe.“


