Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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Antlitz, verſchwand aber ſchnell wieder; ſie raumte den Tiſch ab, machte auf einen Wink des Probſts, ohne Wi⸗ derrede, zwei Gläſer Grog, wovon ſie dem Kammerer das ſeinige eigenhändig ſelbſt präſentirte, und zog ſich dann auf ihr Kämmerlein zurück, um durch einige Kapitel in der Bibel und ein paar Seiten in ihrem gewohnlichen Erbauungsbuch, den Stunden der Andacht, ihr Gemüth wieder zu beruhigen.

Wie weit ihr indeſſen dies gelang, läßt ſich nicht leicht angeben; genug, ihre Andacht war nicht ſo unge⸗ ſtört als ſonſt, und vielleicht hatte unſer Kammerer eini⸗ gen Antheil daran. So viel iſt wenigſtens gewiß, daß er ihre Gedanken mehr in Anſpruch nahm als das ganze Buch Hiob und die Stunden der Andacht insgeſammt. Endlich ſchlug ſie ihre Bibel zu und ließ ihrer Phantaſie freien Lauf, welche ihr nach und nach allerlei intereſſante Figuren und pikante Situationen vorzauberte. Nach Verlauf einer guten Weile wurde Sabinen auf einmal ganz bange über die namhafte Verirrung ihrer Gedanken, und gleichſam als Schild gegen die Verſuchung ſchlug ſie die Bibel abermals auf. Dies wollte übrigens nicht viel helfen; ſo ſchnell ſie auch die Blätter umwendete, ſo emſig ſie ihre Aufmerkſamkeit auf deren Inhalt zu richten trachtete, allezeit kehrten ihre Gedanken wieder auf den alten Gegenſtand zurück, welcher ſo oft, ſeit Jahren, ihren großen Anſprüchen auf Gottſeligkeit in den Weg getreten war. Sie dachte nämlich auch jetzt, wie jedes Mal wenn ſich die geringſte Ausſicht auf eine Veränderung zeigen wollte, an das Loos des Weibes, und daß ihr die heilige Schrift befehle, ja ſie faſt zwinge, Vater und Mutter zu verlaſſen und dem Manne anzuhängen. In der Frömmigkeit ihres Herzens hielt es Sabine für etwas Unnatürliches, ſich gegen das Ge⸗ bot der Schrift aufzulehnen, mehr als Andere für ſich in Anſpruch nehmen, und ſich den weiſen Anordnungen Gottes entziehen zu wollen, kam ihr ſündhaft vor, denn

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