Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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von ihrem vorigen Gatten geweſen war. Da ihre eigene Ehe kinderlos blieb, ſo trug der ehrliche Rathsherr Wet⸗ terquiſt ſeine ganze Zärtlichkeit auf den heranwachſenden Jungen über. Die Liebe der Mutter war aber faſt eine abgottiſche und in ihrer thörichten Blindheit legte ſie in ſeine junge Seele den erſten Keim zu der Unzufriedenheit mit ſeinem jetzigen Leben und Stand, da ſie ihn ohne weiteres, auch als er ſchon in die Jahre gekommen war, wo er beſſer verſtehen lernte, was ſie damit ſagen wollte, nie anders als ihr Gräfchen nannte, welches zu etwas Anderem geboren ſey, als zum Spießbürger eines Land⸗ ſtädtchens; in dunklen Redensarten ſpielte ſie oft auf ſeine hohe Verwandtſchaft an und nährte ſo den ſchon geweck⸗ ten Ehrgeiz des Jungen.

Als er vierzehn Jahre alt geworden und verſtändig genng war, um einen Begriff von der bedauerlichen Ur⸗ ſache zu bekommen, welche die Scheidung ſeiner Mutter veranlaßt und ihn ſelbſt namenlos in die Welt hinaus⸗ geworfen hatte, machte ihn ſein Stiefvater mit dem gan⸗ zen Verlaufe der Dinge bekannt. Aber ungeachtet der Vorſicht und wahrhaft liebenden Schonung, womit dieſer ihm die vertrauliche Mittheilung machte, war doch bald eine gewiſſe Kälte im Gegenſatze zu ſeinem ſonſt ſo zärtlichen Benehmen gegen ſeine Mutter an dem Knaben bemerkbar. Er ſagte kein Wort darüber, ließ nie gegen ſeine Mutter irgend Etwas davon merken, vermied ſie aber immer mehr und es dauerte nicht lange, ſo war alles gegenſeitige Vertrauen für alle Zeit verſchwunden.

Mit den zunehmenden Jahren nagte das heimliche Bewußtſeyn immer mehr an ſeinem ohnedieß nie ſehr friſchen Leben. Allein er ſtudirte und arbeitete mit verdoppeltem Eifer, denn ſeine Phantaſie zeigte ihm in der Ferne ein Ziel, welches zwar noch keineswegs eine beſtimmte Form hatte, allein jedenfalls ein großes war. Er wollte ſehen, was er zu leiſten im Stande wäre; unermüdlich vorwärts eilend galt es die Probe, ob es ihm

Kammerer Laßman. I. 5