Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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Schuhband küſſen zu dürfen und dann, weil ich die Eigenthümerin der Kleiderbude bin, welche dem gelb⸗ ſchnäbeligen Hungerleider ſchon manchmal aus der Noth geholfen hat. Ich bin aber gezwungen, verſtehſt Du, gezwungen, meine Reputation und die Würde mei⸗ nes Standes aufrecht zu erhalten, deßhalb muß ich ihn nothwendig nach Verdienſt ſtriegeln.

Du weißt wohl, was das Beſte iſt, pflichtete ihr die Hofmeiſterin bei.

Er ſah übrigens heute ordentlich krank aus, viel bläſſer als ſonſt, und wenn ich recht geſehen habe, ſtand ihm das Weinen näher als das Lachen, wie er das Bild aufhing. Er bat mich, wo möglich dafür zu ſor⸗ gen, daß es nicht zu lange da hängen möge.

Das will ich herzlich gerne glauben! lachte Frau Norman aus vollem Halſe. Hochmuth und Hunger⸗ leiderei taugen nicht zuſammen, iſt ein altes Wahrwort. Am Ende ſoll gar kein Menſch das Bild ſehen! und wir ſollen es doch möglichſt gut verkaufen! Aus lauter Zorn und Aerger will ich es jetzt aber auch unter das allerelendeſte Zeug hängen, daß es ihm in der Seele weh thut, wenn er wieder kommt.Mit inniger Scha⸗ denfreude griff Frau Normar nach einem Stuhl, nahm das Bild herab und ſtellte es vor die Thüre auf einen großen alten Küchenſchrank.

Nun wollen wir ſehen, wenn der Herr Notarius kommt! ſagte ſie, und ſtellte ſich an das Fenſter. Ihr heißes Geſicht nahm aber ſoviel Platz ein, daß es zwi⸗ ſchen dem Fenſterchen und einem mit Grünſpan überzo⸗ genen Walvhorn, welches neben daran hing, wie einge⸗

keilt war. In dieſer Stellung blieb ſie faſt eine Vier⸗ telſtunde, während welcher ſie zum ergoͤtzlichen Zeitver⸗ treib der Hofmeiſterin erzählte, wie ſie den Notarius, als er einmal tüchtig in der Klemme geweſen, wieder

flott gemacht habe.Du hätteſt nur ſehen⸗ ſollen, liebſte

Hofmeiſterin, hieß es,wie jämmerlich er ausſah! Er kam gelaufen wie ein fechtender Schneidergeſelle, dem