Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

43

und dieß kam daher, weil er noch nirgends auf ſo eine ſtille und beſcheidene Perſon geſtoßen war, welche den von Jahr zu Jahr ſich ſteigernden Prätenſionen an ſeine zukünftige Ehehälfte entſprach.

Dieſe Reiſen wurden, was ihren Zweck betrifft, vor den drei Baſen außerordentlich geheim gehalten, welche ſich von der bevorſtehenden Gefahr Nichts träumen ließen und nicht entfernt vermutheten, daß dem Alten das Heirathen noch in den Sinn kommen könnte, wodurch ihnen die Erbſchaft, auf welche ſich Alle Hoffnung machten, entgehen mußte. Nein, der Kammerer war ſchlauer; er ließ ſie ſich bücken und drehen, winden und ſcherwenzeln, heimlich lachte er aber bei dem Gedan⸗ ken, wenn ein Mal die Zeit kommen würde, wo Frau Norman in Verzweiflung über ihre mißlungenen Anſtal⸗ ten, über alle die hinausgeworfenen Schnäpſe und Punſche, ſich das Gallenfieber an den Hals ärgern würde, wenn er eine junge Frau in ſein Haus einführte eine Frau, welche es vielleicht für eine große Herab⸗ laſſung halten konnte, eine von Frau Normans Geſell⸗ ſchaften zu beſuchen oder ſie ſelbſt zum Kaffee zu bitten. Meiner Seele, weder die Eine noch die Andere ſoll einen Pfennig kriegen! ſo ſchwur der Kammerer hoch und theuer und hatte es auch feſt im Sinne zu halien, denn nie konnte er die Worte der Frau Norman ver⸗ geſſen:Gott gebe, daß der Alte ein Mal ein ſchöner Engel wäre, da wollten wir mit den Goldfüchſen rappeln. Er hatte dieſe feinen Worte zufällig mit eigenen Ohren aus ihrem Munde gehört unddie Andere hatte mit eingeſtimmt. Inzwiſchen war die Reiſe, welche der Kammerer dieſes Jahr gemacht hatte, ebenſo fruchtlos abgelaufen wie alle vorherigen. Da aber ſein Beſchluß, nun durch die mannigfachen Beſchwerden geſchärft, ſo feſt ſtand, als nur ein Beſchluß irgend ſeyn kann, wo zwei betheiligt ſind, nahm er ſich vor, auf den Herbſt eine beſondere Fahrt anzutreten. Aber nicht genug damit: