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aichts vergeſſen worden, ſtieß das Boot endlich vom Fande und tanzte luſtig über die Wellen dahin, auf Heſ⸗ ngen, das Ziel der Fahrt, los.
„Nun Gott ſey Dank, ſo wären wir nun in Ord⸗ nung!“ ſagte Frau Norman und blickte umher.„Was es doch angenehm iſt, ſo„sangfasong“ in einem trau⸗ ten Familienkreis eine Luſtfahrt zu machen. Nun wollen wir aber auch recht luſtig ſeyn! Lucie ſitz nicht ſo mür⸗ riſch da, ſondern nimm deine Guitarre zur Hand und ſing die hübſche Arie, welche deine Namensſchweſter ſingt: „Robér, Robér.“
„Was die Mama wieder kreiſcht!“ ſagte Liſa, die junge Schöne, ezwas zu naſeweiß, um den Namen einer ehrerbietigen Tochter zu verdienen. Lucie ſingt nicht mehr Robér.“
„Gleichviel, liebe Luſchie,“ legte fich Muhme Neta in's Mittel;„thu' aber, was Deine Mutter ſagt. Sing’ uns irgend etwas Hübſches— was Du willſt!“ Liebe Neta, Du biſt ganz verſeſſen auf Deine Luſchie!“ Luſchie iſt eine Wohnung, welche man miethen kann, aber Lucie heißt der Name. Und ich will, daß Liſe Lucie heißen ſoll, denn das kommt offenbar von Liſa her, wel⸗ he⸗ üfen Leuten beſſern Standes nicht mehr gebräuch⸗ 4.“
„Mich dünkt, Baſe, Du hätteſt ſie vor einem Jahr noch Liſette genannt,“ bemerkt der Kammerer, ließ das Ruder fahren und ſtopfte ſich eine Pfeife.
„Und vor zwei Jahren Lischen!“ ſiel die„Hofmei⸗ ſterin“ mit einer gewiſſen furchtbaren Scheu ein.
„Ich hoffe, eine Mutter kann ihr Kind nennen, wie es ihr beliebt,“ verſetzte Frau Norman, wußte dabei aber den Kopf ſo pfiffig zu drehen, daß ein milderndes Lächeln den Kammerer traf, während die Frau Malla Fogelquiſt ein ſtrenger Blick traf, um ſie daran zu erinnern, daß ſie von Gnadenbrod lebe und ſich deßhalb nicht ſo mauſig machen dürfe.
„Es kommt freilich etwas ſonderbar heraus,“ fuhr


