Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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Bekanntſchaft ſeyn müſſe, welche eine ſolche Bewegung bei ihm hervorbrachte.

Die artige Dame dort grüßt Sie, meine Herren, ſagte lächelnd ein andrer junger Mann von ihrer Bekannt⸗ ſchaft, denn er hatte zufällig das anhaltende Schwenken des Sonnenſchirms bemerkt.

Was, eine Dame grüßt uns? rief Roſoll ver⸗ wundert aus, drehte ſich ſchnell um und grüßte ganz anmuthig und bekannt zu der Gruppe auf den Platz hin⸗ unter, welche aus drei älteren Frauenzimmern, einem jungen hübſchen Mädchen und einem jungen Burſchen beſtand.

Du kennſt ſie, glaube ich? ſagte der Notar gleich⸗ gültig.

Ach ja, ich kenne eine ganze Maſſe Leute und halte es keineswegs unter meiner Würde, den Gruß einer ehr⸗ lichen Troͤdelfrau zu erwiedern. Sieh' nur ein Mal, ob Frau Norman nicht ausſieht, als glaube ſie eben ſo viel Anſpruch auf die Achtung der Welt zu haben, als die allervornehmſte Dame. Und die Tochter erſt, ſieh,'mal dieſe an! Na, ſo ſitz' doch nicht wie ein Perrückenſtock da, ſondern brauch' Deine Augen! Kann man wohl ein netteres Geſichtchen, hübſchere Augen und friſchere Lippen in der ganzen Stadt finden? Der Mund wäſſert einem, wenn man ſolche Lippen ſieht, wie die ſchönſten Trauben, ſo roth und voll! Mamſell Lucie es iſ doch verdammt luſtig, daß Frau Norman ihre Liſe nach der Heldin in der neuen Oper umgetauft hat Mam⸗ ſell Lucie iſt eine kleine, nette Teufels⸗Kokette, und um ſo netter und liebenswürdiger, als ſie aus reiner, purer Natur kokettirt. Sie hat nicht erſt nöthig gehabt, die Kunſt zu ſtudiren.

Du ſcheinſt näher mit ihr bekannt zu ſeyn? be⸗ merkte der Notar, und zwang ſich zu einem Lächeln, wel⸗ ches zweireutig ſeyn ſollte.

Näher? wiederholte Roſell lachend.Nein; leider

kann ich mich keines großen Erfolges rühmen, und muß