Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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neben ſeinen ehmaligen Univerſitätsfreund, nunmehrigen Geſellſchafter, den Notarius Wetterquiſt. Während ſie vertraulich die Köpfe zuſammenſtecken, wollen wir den Leſer kurz mit ihnen bekannt machen.

Roſell war ein langer hübſcher Menſch mit nicht unmännlichem Ausſehen; indeſſen gaben ihm ſeine vol⸗ len Wangen und das unbekümmerte Ausſehen ſeines Ge⸗ ſichtes den Anſtrich von einem Einfaltspinſel, was er in der That auch war, und vielleicht nichts weiter, ob⸗ gleich er ſich ſelbſt und auch Andere ihn für einen offe⸗ nen Kopf hielten, der ſein Glück in der Geſchäfskarriére machen würde. Zudem waren im Augenblicke ſeine Aus⸗ ſichten nichts weniger als bitter. Er konnte ſich näm⸗ lich gegründete Hoffnung machen, nach ſechsjährigem Dienſt bei der Jſizreviſion und ſechsjährigem fortwäh⸗ renden emſigen Bücklingen wobei mandas Lachen halten kann, eine Beſoldung von allerwenigſtens 400 Reichsthalern zu bekommen. Wir dürfen übrigens nicht verſchweigen, daß der Regierungs⸗Sekretär ſo oft er die unzählige Menge von Papieren durchging, mit de⸗ nen ſeine Schatulle bis zum Deckel voll war, nothwendig zu der Anſicht kommen mußte, daß ſeine Schulden gerade eine Null mehr betrügen als ſein zu hoffendes Einkommen.Aber, dachte der freiſinnige junge Mann, was hat eine lumpige Null mehr oder weniger zu ſa⸗ gen, wenn man nur ſelbſt keine Null iſt. Das macht ſich ſchon mit der Zeit; eine Frau, ein Amt, eine Erb⸗ ſchaft, und ſonſt noch etwas der Art, im Nothfall auch nur Eines davon! und dabei ſang er:

Weg mit den Grillen und Sorgen! während er, durch dieſe mit ſelnen eigenen Maximen ſo ganz übereinſtimmenden Lebensphiloſophie gründlich ge⸗ tröſtet, ſeine Papierrechnungen und ſonſtige Brummbriefe getroſt wieder einpackte.

Iſt es aber nicht zum Verwundern, wenn ein Regie⸗ rungs⸗Sekretär ein ſo außerordentlich ordentlicher Menſch iſt, daß er auf den Pfennig hin wußte, me viel ſeine